Freitag, 15. März 2013

DAS VERMÄCHTNIS DER MONTIGNACS - Stimmige Beschreibung einer Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

London, 1936. Owen Montignac, der attraktive, charismatische Spross aus gutem Haus, erwartet bang die Testamentsverlesung seines unlängst verstorbenen Onkels. Doch Owen wird nicht berücksichtigt. Die Alleinerbin ist seine schöne Cousine Stella, zu der er eine etwas fragwürdige Zuneigung empfindet. Zudem plagen ihn hohe Spielschulden – und so ersinnt Owen einen teuflischen Plan. (Verlagsinfo)

Europa steht am Randes des Zweiten Weltkriegs und die englische Nation wird erschüttert von der Affäre König Edward VIII. mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson, die schließlich zu dessen Abdankung führt. Die Welt ist im Umbruch: alte Werte verlieren an Bedeutung, Reichtum und Macht werden verbissen verteidigt und die Elite ist bestrebt, ihre alten Traditionen und Vormachtstellungen zu bewahren.

John Boyne, den meisten Lesern wahrscheinlich durch seinen zu Herzen gehenden Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bekannt, beschreibt am Beispiel seines Protagonisten Owen Montignac das Leben eines reichen Müßiggängers, der durch seine Spielleidenschaft in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Und weil er sich mit den falschen Leuten eingelassen hat, ist plötzlich sein Leben in Gefahr. Aber Owen ist smart und eiskalt – mich hat er ganz stark an Patricia Highsmiths Tom Ripley erinnert – und die Not macht ihn erfinderisch.

Zur gleichen Zeit steht Richter Bentley in einem spektakulären Mordprozess vor der schwierigen Entscheidung, ob er den Angeklagten Henry Domson zum Tode verurteilen soll oder nicht. Das Urteil könnte durch zwei entscheidende Faktoren beeinflusst werden, denn zum einen ist Domson ein Vetter des Königs und auf dem siebenundzwanzigsten Platz in der Thronfolge, zum anderen hat der Richter einen Sohn im gleichen Alter, der zu Domsons erweitertem Kreis gehört, ebenfalls kein Kind von Traurigkeit und für seine Ausschweifungen bekannt ist.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Unterschiedliche Handlungsstränge, die auf den ersten Blick offenbar nichts miteinander zu tun haben, deren Zusammenhang sich allerdings spätestens dann erschließt, wenn der Autor diese virtuos zusammenführt. 

Charaktere, die mit viel Liebe zum Detail überzeugend angelegt sind. Die stimmige Beschreibung einer Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne – good job, John Boyne.

DAS VERMÄCHTNIS DER MONTIGNACS ist als Taschenbuch (512 Seiten) bei PIPER in einer Übersetzung von Gabriele Weber-Jaric für 12,99 Euro erschienen.

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