Montag, 11. Februar 2013

NULL-NULL-SIEBZIG Agent an Bord - Nicht mehr so frisch & englisch wie im Vorgängerkrimi

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

In der Fortsetzung von Marlies Ferbers Seniorenkrimi "Null Null Siebzig Operation Eaglehearst" geht Ex-Agent Gerald (70) an Bord eines Kreuzfahrtschiffes:

Um seiner Bekannten Sheila einen Gefallen zu tun, kommt Ex-SIS-Agent James Gerald mit auf eine Kreuzfahrt, wo Sheilas Mutter Phyllis mit einigen ihrer Bekannten ihren 90. Geburtstag feiern möchte. Bald schon jedoch verschwindet ein Passagier der Geburtstagsgesellschaft nach dem anderen, als seien sie vom Erdboden verschluckt. 

Während die anderen Geburtstagsgäste versuchen, Phyllis Nerven zu schonen und sich ein Lügenmärchen ausdenken, versucht James, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen – und stößt dabei nicht nur auf eine Verschwörung sondern, als an der italienischen Küste eine Leiche angespült wird, auch noch auf einen mörderischen Trittbrettfahrer.

Um es gleich vorweg zu nehmen: leider konnte Marlies Ferber mit ihrer Fortsetzung nicht an „Operation Eaglehurst“ anknüpfen. Zwar hat das Buch durchaus seine humorvollen und spannenden Momente, insgesamt jedoch hat es in der ersten Hälfte vor allem einen hohen Nervfaktor. 

Der betagte James Gerald und seine nicht minder jüngere Bekannte Sheila benehmen sich durchgehend wie zwei pubertierende Teenager, die sich fast unaufhörlich miteinander streiten. Leider bieten weder die Kulisse des Kreuzfahrtschiffes noch die Handlung der anderen Beteiligten eine allzu große Abwechslung dazu. 

In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dann drastisch an und bietet eine Lösung, deren Vorbild fast haargenau so in Michael Kosers „Prof. Van Dusen spielt das Mörderspiel“ zu finden ist. Andererseits erinnert die Geschichte jedoch auch ein wenig an „Mord im Orient-Express“, nur dass hier kein Zug im Schnee feststeckt sondern eine Festgesellschaft auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffs. 

Persönliche Meinung: 
3*** (von 5 möglichen)

Wen die Parallelen zu den alten Vorlagen nicht stören, wird dennoch seine Freude mit dem Buch haben, auch wenn die Figuren nicht mehr so frisch wirken wie noch im ersten Teil und auch der englische Charme weitestgehend verloren gegangen ist.

Ebenfalls Geschmackssache ist der Epilog, in dem James und Sheila ihren dritten Frühling erleben. Für mich persönlich war das etwas zuviel Happy End und ich kann auf einen dritten Teil der Reihe wohl gut verzichten. Gleichzeitig bin ich jedoch der Meinung, dass es sicher eine große Zielgruppe gibt, der das Buch gefallen könnte.

"NULL NULL SIEBZIG - Agent an Bord" ist als Taschenbuch (352 Seiten) bei dtv für 9,95 Euro erschienen

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