Samstag, 23. Februar 2013

MÄDCHENAUGE - Wien von seiner ungewohnt spannenden Seite mit starkem Ermittlerteam

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Mitten in der Innenstadt von Wien wird eine junge Frau vor ihrer Haustür überfallen und grausam ermordet. Und sie bleibt nicht das einzige Opfer. Jeden zweiten Samstag schlägt der Täter auf dieselbe brutale Art zu, verwertbare Hinweise hinterlässt er keine. 

Wie sollen Major Belonoz, der grantige Chef der Mordkommission, und sein Team diesen wahnsinnigen Serienmörder finden? Belonoz ist wenig erfreut, als man ihm in dieser schwierigen Situation ausgerechnet die unerfahrene Staatsanwältin Lily Horn zur Seite stellt. Doch nicht nur er unterschätzt die toughe junge Frau gewaltig. (Verlagsinfo)

Eigentlich bin ich recht verhalten an die Lektüre des Buches herangegangen, da mir bei den meisten österreichischen Autoren dieses Genres die Erzählweise zu betulich ist. Aber Christian Davids erster Kriminalroman „Mädchenauge“ hat mich sehr positiv überrascht. Da ist nichts zu spüren von der kuscheligen Wiener Atmosphäre, ganz im Gegenteil – es tun sich Abgründe in der Donaumetropole auf.

Der Handlungszeitraum liegt zwischen dem 12. und 25. Juni, beschrieben werden die Ermittlungen im Fall eines Serienmörders, der sich im zweiwöchigen Abstand seine weiblichen Opfer in der Wiener Innenstadt sucht. Die Geschichte ist tageweise untergliedert, was immer wieder eine klare Zäsur setzt.

Nach dem einleitenden Kapitel, in dem der Mord an einer jungen Studentin geschildert wird, benötigt der Autor zwar einige Seiten, um seine Protagonisten einzuführen und das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Staatsanwaltschaft, Mordkommission und Kommunalpolitik darzustellen Doch durch diese Wechselwirkung baut sich langsam aber stetig die Spannung auf und entwickelt schließlich eine dermaßen große Eigendynamik, so dass es in der Tat schwerfällt, das Buch zur Seite zu legen.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Gerade die Verquickung von Polizeiarbeit und Politik lässt bei der Lektüre an die erfolgreichen Schweden-Krimis denken. Aber „Mädchenauge“ kommt lange nicht so depressiv und dunkel daher, wie manch Werk aus der Feder der skandinavischen Autoren. Das liegt mit Sicherheit aber auch an dem Schauplatz Wien, der doch um einiges gefälliger ist als die nordische Einöde.

Ein weiteres großes Plus sind aber auch die Hauptfiguren Major Belono, Leiter der Mordkommission, der in diesem Fall das sagen hat, und Lilly Horn, unerfahrene Staatsanwältin, der man die Mitarbeit an diesem Fall nicht wegen ihrer beruflichen Qualifikation sondern aus politischen Erwägungen übertragen hat. 

Beides keine stromlinienförmig gebürsteten Jasager, sondern Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, die sich gerne mit der Obrigkeit anlegen und unbeirrt ihren Weg gehen, auch wenn dies ihrer Karriere nicht unbedingt förderlich ist.

Ein spannender Krimi mit dem neuen „Dream Team“ der österreichischen Kriminalliteratur – klare Leseempfehlung meinerseits!

MÄDCHENAUGE ist gebunden (464 Seiten) beim Deuticke Verlag für 19,90 Euro erschienen..

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