Montag, 18. Februar 2013

DIE FARBE DER NACHT - Rasante, drastische Achterbahnfahrt in die Finsternis!

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Tagsüber arbeitet Mae als Croupière in einem Casino in Nevada, nachts streift sie allein durch die Wüste. Als sie im Fernsehen einen Bericht über den Anschlag auf das World Trade Center sieht, werden alte Erinnerungen wach. 

Die Kamera fängt das Bild einer Frau ein, die verletzt auf dem Bürgersteig kniet. Blut läuft ihr aus den Mundwinkeln, wie damals, als Mae sie das letzte Mal sah, doch nicht aus denselben Gründen. 

Dreißig Jahre zuvor waren Mae und Laurel Teil einer Hippie-Kommune, die grausame Morde beging. Als die Kommune von der Polizei ausgehoben wird, können Mae und Laurel als Einzige fliehen. Beide gehen mit falscher Identität in den Untergrund, ihre Wege trennen sich bis die Schatten der Vergangenheit sie einholen. (Verlagsinfo)

Offenbar veröffentlicht der Liebeskind Verlag immer zu Beginn des Jahres ein Buch, das sich deutlich von der Masse abhebt und dem Leser einiges abverlangt. So hat mir im letzte Jahr Donald Ray Pollocks „Das Handwerk des Teufels“  ein außergewöhnliches Leseerlebnis beschert und konnte auch im weiteren Verlauf des Jahres durch keine andere Lektüre getoppt werden.

Nun also Madison Smartt Bells „Die Farbe der Nacht“: das Buch wird polarisieren, man wird es entweder großartig oder abscheulich finden.

Persönliche Meinung: 6 ****** (von 5 möglichen)

Bereits der Aufbau fällt aus dem Rahmen. Auf insgesamt 237 Seiten verteilen sich 84 Kapitel, die im Durchschnitt aus drei Seiten bestehen. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Hauptfigur Mae - beschreibend, erinnernd und monologisierend.

Die verwendete Sprache ist derb und drastisch, passt aber zur Lebensgeschichte der Protagonistin und kann meiner Meinung nach auch gar nicht anders sein, denn ihre persönliche Historie ist geprägt von Missbrauch, Schmerz und Brutalität – Erfahrungen, die sie mit fast allen Männern macht, denen sie im Lauf ihres Lebens begegnet.

Ob nun in der Herkunftsfamilie oder in der Hippie-Kommune, bei der sie einige Zeit lebt und die große Ähnlichkeit mit der Manson Familiy hat, Gewalt ist das Thema, das sich wie ein roter Faden durch Maes Leben zieht, wobei sie nicht nur Opfer ist sondern auch zum Täter wird. Aber tief in ihrem Innersten hat sie sich, trotz aller Schrecken, die Fähigkeit zu lieben bewahrt.

Eine Mischung aus der Literatur Cormac McCarthys sowie den Filmen Quentin Tarantinos, eine rasante Achterbahnfahrt in die Finsternis – erschreckend, ungewöhnlich und gerade deshalb ein herausragendes Buch, das sich von der Masse abhebt!

DIE FARBE DER NACHT ist gebunden (237 Seiten) im Liebeskind Verlag in einer Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für 18,90 Euro erschienen.

1 Kommentar:

  1. Mir ging es ganz genau so: Im letzten Jahr war "Das Handwerk des Teufels" meine (Krimi-)Lektüre des Jahres, und dieses Jahr wird ein Buch sehr schwer haben, "Die Farbe der Nacht" zu übertreffen. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so düster und eindringlich ist.

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