Dienstag, 26. Februar 2013

DER FÜNFTE ZEUGE - Spannend, unterhaltsam, mit einem Schuss Gesellschaftskritik

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Mickey Haller ist wieder zurück in seinem alten Job als Strafverteidiger und vertritt vor Gericht insolvente Hausbesitzer. Seine Klientin Lisa aber hat noch weit größere Sorgen als nur ihre Hypothek. Sie ist des Mordes angeklagt, weil sie den Chef ihrer Bank erschlagen haben soll. 

Für Mickey deutet alles darauf hin, dass in Wirklichkeit jemand anderes hinter Gitter gehört. Als er überfallen und zusammengeschlagen wird, begreift Mickey, dass seine unbekannten Gegenspieler wenig Skrupel kennen. 

Doch wie kann er die erdrückenden Beweise gegen Lisa entkräften? Und was, wenn Lisas Unschuldsmiene trügen sollte? (Verlagsinfo)

Ich war schon einigermaßen überrascht, als ich die neue Geschichte um den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller von Michael Connelly gelesen habe, denn der Autor lässt diesmal in seinen neuen Justizthriller auch ein politisches Thema einfließen: Die Immobilienblase in den USA ist geplatzt, und da die spektakulären Fälle ausbleiben, kümmert sich Haller um Mandaten, denen die Zwangsräumung droht, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre fälligen Hypotheken zu zahlen. 

Das persönliche Schicksal hinter dem Fall sieht er aber eher emotionslos, da er der Meinung ist, dass die meisten seiner Klienten an ihrer prekären Situation nicht ganz unschuldig sind. Aber als der Kreditgeber seiner Mandantin Lisa Trammel - die Haller übrigens genauso unsympathisch findet wie ich auch - getötet und sie des Mordes angeklagt wird, muss er sich intensiv mit dem unsauberen Geschäftsgebaren dieser Branche auseinandersetzen.

Persönliche Meinung 4**** (von 5 möglichen)

Connelly ist ein routinierter Schreiber und weiß, wie er seine Stilmittel einsetzen muss, um den Leser bei der Stange zu halten. 

Er erzählt aus der Sicht des Protagonisten, lässt ihn einerseits seine Handlungsweisen erläutern, hält sich aber erstaunlicherweise sehr bedeckt, wenn es darum geht, dessen Vorüberlegungen für überraschende Aktionen zu schildern. Aber das garantiert natürlich eine gewisse Grundspannung, die sich von Anfang bis Ende durch die gesamte Geschichte zieht.

Die Handlung als solche ist durch die verschiedenen Schauplätze, an denen Haller agiert, sehr abwechslungsreich und komplex, und hält auch die eine oder andere Überraschung bereit. 

Spannend, unterhaltsam, mit einem Schuss Gesellschaftskritik – die perfekte Vorlage für die nächste Verfilmung mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle.

DER FÜNFTE ZEUGE ist als Taschenbuch (640 Seiten) bei Knaur in einer Übersetzung von Sepp Leeb für 9,99 Euro erschienen.

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