Dienstag, 19. Februar 2013

DAS NETZ DER GROSSEN FISCHE - Ein Camilleri-Krimi ohne Montalbano

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Der Sohn eines führenden Politikers wird des Mordes an seiner Verlobten angeklagt. Diese wiederum war die Tochter eines mächtigen politischen Gegners. 

Als die Nachricht beim Fernsehsender RAI in Palermo eingeht, hält Programmdirektor Caruso die Meldung zurück. Schließlich weiß er nur zu gut, wie schnell man sich mit einem einzigen falschen Wort verfangen kann in dem raffiniert gesponnenen Netz der wahren Herrscher der Insel, denen der mysteriöse Todesfall anscheinend gerade recht kommt, um ihre politischen Interessen durchzusetzen. (Verlagsinfo)

Mein erster Camilleri als gedrucktes Buch. Bisher kannte ich nur die TV-Verfilmungen früherer Jahre mit Katharina Böhm als Freundin des Commissario Montalbano. Und „Das Netz der großen Fische“ ist ein Roman ohne Montalbano. Kann das gut sein? 

Es ist mehr als gut!
Es ist hervorragend! 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Camilleri, der Altmeister, lässt einen Mord an der Tochter eines einflussreichen Politikers geschehen und schildert dann an Hand der Aufklärung die vielschichtigen Abhängigkeiten der auftretenden Personen, alles aus Sicht eines Fernseh-Programmdirektors. 

Es werden Nachrichten gesendet oder zurückgehalten. Ihr Inhalt wird manipuliert. Ermittlungen werden einseitig oder schlampig vorgenommen. Die Zuständigkeiten bei Polizei und Justiz werden ausgenutzt oder eingeschränkt. 

Personen werden gefördert oder versetzt. Es wird „über Bande gespielt“ oder direkt interveniert. Alles dieses geschieht sehr verdeckt. Die Öffentlichkeit erfährt davon wenig oder gar nichts. Alles geschieht möglichst hinter den Kulissen. 

Demokratische Verhältnisse sehen anders aus und eine integre Verwaltung und Rechtspflege ebenfalls. Eine effektive Kontrolle dieser Institutionen durch die Medien entfällt. 

Die großen Fische bestimmen alles. Erst, wenn ihre Interessen gewahrt sind, darf der Fall „ordentlich“ abgeschlossen werden! 

Der Autor hat uns mit diesem Buch mehr über italienische Lebenswirklichkeit erzählt als vielbändige Werke es vermögen. Für diese Einsichten bin ich dankbar, weil es auch noch spannend und unterhaltsam geschrieben ist! 

Leider kann ich nur 5 Sterne vergeben, da dies die Höchstzahl ist. Andrea Camilleri hat eigentlich mehr verdient!

DAS NETZ DER GROSSEN FISCHE ist als Taschenbuch (224 Seiten) bei Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Moshe Kahn für 8,99 Euro erschienen.

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