Donnerstag, 31. Januar 2013

SÜNDENPFUHL - Dieter de Lazzer überzeugt erneut durch herausragenden Schreibstil

Krimi-Rezension von Jörg Völker

In dem schon immer religös überhitzten Remstal nahe Stuttgart wird ein evangelikaler Fernsehprediger mit durchschnittener Kehle gefunden, daneben sein Hund. Wurde er ermordet, weil er in den Ehen seiner Anhänger gewildert hat? Für sein allzu einnehmendes Verhältnis zum Geld? Oder hat einer der Muslime zum Messer gegriffen, weil er diese pauschal als Kinder des Satans beleidigt hat? 

Markus Schiller und seine Kollegen haben es nicht leicht mit den Milieus der bigotten Christen und der Muslime, von denen viele in einer Art Parallelgesellschaft leben. Dass Seitz Druckerei vor allem fremdsprachige Bibeln für dubiose Auftraggeber in islamische Länder liefert, kompliziert die Ermittlungen weiter. Als dazu noch ein türkisches Mädchen verschwindet und ein Fanatiker aus der Moschee ertränkt wird, hat Schiller genug am Hals. 

Wie wird es gelingen, den Sündenpfuhl aus Islamismus und Politik, Geschäft, Ressentiments und Heuchelei zu durchdringen? Hilft es vielleicht, den Mord als schöne Kunst (de Qincey) nach der ihm eigenen Logik des Unwahrscheinlichen zu betrachten? (Verlagsinfo)

Vor einiger Zeit habe ich den Roman „Tod eines Philosophen“ von Dieter de Lazzer besprochen, ein glänzend geschriebenes Werk. Aus diesem Grund bin ich entsprechend erwartungsvoll ans Lesen seines neuen Buches „Sündenpfuhl“ gegangen. 

Und bin begeistert, denn der Autor hat hier einen Fall entwickelt, der hochaktuell ist und eine ganze Anzahl gesellschaftlicher Probleme aufzeigt sowie die Schwierigkeiten und Irrwege einer Ermittlung in diesem Umfeld schildert. 

Der leitende Ermittler Markus Schiller ist eigentlich noch in der Rekonvaleszenz nach einer Krebsbehandlung. Außerdem gibt es für ihn eine schmerzvolle Trennung von seiner Lebenspartnerin zu verarbeiten und den Umzug in eine neue Wohnung zu bewerkstelligen. Seine Kollegen haben ihn in dieser Zeit tatkräftig unterstützt, vor allem bei der Herrichtung der neuen Wohnung, beim Umzug und der Grundeinrichtung. 

Da wird ein Fernsehprediger ermordet aufgefunden. Dieser hat eine evangelisch-klerikale Gruppierung im Raume Stuttgart geleitet, eine entsprechende TV-Sendung betreut sowie einen schwunghaften Vertrieb mit Bibeln aufgezogen, hergestellt in einer Druckerei, deren Miteigentümer er war. 

Die komplizierten Ermittlungen ergeben schnell: die Tat könnte aus vielen verschiedenen Motiven begangen worden sein. Die Gruppierung des Opfers ist keinesfalls homogen, sein Auftreten gegenüber seinen Mitmenschen war schroff und überheblich, sein Familienleben nur scheinbar intakt, sein Verhältnis zu Frauen kompliziert (zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt!), sein Auftreten gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen nicht nur polarisierend, sondern vielmehr provozierend und verletzend. 

Außerdem stellt sich heraus, dass die Eigentumsverhältnisse an der Druckerei völlig ungeklärt waren, von seiner Seite her so gewollt. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Dieter de Lazzer schildert die Details sehr spannend und unterhaltsam, wobei er sich eines flüssigen und geschliffenen Schreibstils bedient. Der Leser kann den Gang der Ermittlungen sehr gut nachvollziehen und ist gespannt auf die überraschende Lösung des Falles. 

„Sündenpfuhl“ ragt Dank seiner Qualität aus dem großen Angebot an Neuveröffentlichungen heraus. Es erhält von mir daher auch 5 Sterne von 5 möglichen.

SÜNDENPFUHL ist broschiert (273 Seiten) im Verlag Königshausen & Neumann für 14,80 Euro erschienen.

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