Dienstag, 22. Januar 2013

PAPERBOY - Brillant erzählt, packend und voll überraschender Wendungen

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Moat County, Florida, 1965. Kurz nach Sonnenaufgang wird Sheriff Thurmond McCall auf dem Highway gefunden, ausgeweidet wie ein Alligator, dem man ans Leder will. 

Die Einwohner des Countys verlangen Gerechtigkeit, und bald schon ist ein Schuldiger gefunden: Hillary Van Wetter, der unberechenbare, gewalttätige Spross einer Familie, die seit Jahrhunderten in den Sümpfen Floridas haust, soll für den Mord auf den elektrischen Stuhl. 

Doch es gibt Hoffnung für Hillary Van Wetter. Eine Frau namens Charlotte Bless fühlt sich zu Mördern hingezogen, auch wenn sie diese nie persönlich kennengelernt hat. Sie will Hillary aus der Todeszelle holen und verspricht zwei Reportern von der Miami Times die Story des Jahres, sollten sie den Fall neu aufrollen. (Verlagsinfo)

Pete Dexter erzählt in „Paperboy“ die Geschichte zweier Reporter auf der Suche nach der großen Story. Der Autor kennt die Medienlandschaft aus dem Effeff, da er selbst viele Jahre als Journalist gearbeitet hat. 

Am deutlichsten merkt man dies, wenn man sich seine Figuren näher betrachtet, die stellvertretend für die unterschiedlichen Vertreter dieser Zunft stehen. Ob das nun ein junger, dynamischer Reporter ist, der für eine gute Story seine Seele verkaufen würde und über Leichen geht, oder aber der Herausgeber der Zeitung, ein typischer Vertreter der „alten Garde“, abgebrüht und mit allen Wassern gewaschen und tunlichst bemüht, keinem der Honoratioren der Stadt auf den Schlips zu treten.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)
mit einem Extra-Stern!

Nicht die Frage nach Schuld oder Unschuld ist das zentrale Thema dieses Buches. Der Autor stellt, verpackt in eine spannende Geschichte, die Altmeister Hitchcock zur Ehre gereichen würde, Fragen nach der Ethik dieses Berufsstandes. 

Wenn ein Journalist sein Ego über den Zweck der Reportage stellt, und wenn als Resultat für den Erfolg lediglich die Auflagenhöhe der Publikation zählt, ist dann nicht die Gefahr gegeben, dass die Suche nach der Wahrheit in den Hintergrund tritt und das Urteilsvermögen getrübt wird?

Eine packende Geschichte, brillant erzählt, voll überraschender Wendungen, die man als Leser so nicht erwartet – „Paperboy“ ist ein Buch, dem ich viele Leser wünsche!

PAPERBOY ist gebunden (320 Seiten) im Liebeskind Verlag in einer Übersetzung von Bernhard Robben für 19,80 Euro erschienen.

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