Samstag, 1. Dezember 2012

IM SÜDEN Die Bayou Trilogie - Woodrell wieder wortgewaltig und höchst beeindruckend

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Nur wenigen Autoren gelingt es, einen Thrillerplot mit poetischer Eindringlichkeit zu verbinden. Daniel Woodrell ist mit seiner Bayou-Trilogie ein solches Meisterwerk geglückt. Folgen Sie ihm in die schwülen Sümpfe Louisianas. Korruption, Gewalt, Rassismus, Armut und der unbedingte Wille zum Überleben zeichnen die Welt Woodrells aus. (Verlagsinfo)

Vorweg: Es handelt sich hier nicht um das neueste Werk aus der Feder Woodrells, sondern um frühe Romane, die zwischen 1986 und 1992 im Original erschienen sind. Die deutschen Veröffentlichungen datieren Mitte der Neunziger und waren lange Zeit über den normalen Buchhandel nicht mehr zu beziehen. 

Erfreulicherweise gibt es nun eine Neuauflage im Heyne Verlag dieser drei zusammengehörigen Bände, deren Handlungsort das fiktive St. Bruno, ein Kaff im Süden von Louisiana und deren Hauptfigur Detective Rene Shade ist:

"Cajun Blues" (Under the bright lights, 1986)
Das literarische Debüt des Autors behandelt den Mord an einem Farbigen, der in der Lokalpolitik aktiv war. Shade bezweifelt, dass der des Mordes beschuldigte Jewell Cobb, obwohl ein gewalttätiger Hinterwäldler und Redneck der übelsten Sorte, der alleinige Täter ist. Deshalb bohrt er tiefer und befördert jede Menge Unrat zutage. Aber kann er den einflussreichen Honoratioren an den Karren fahren?

"Zoff für den Boss" (Muscle for the wing, 1988)
Im zweiten Teil der Trilogie menschelt es gewaltig. Nachdem drei ehemalige Strafgefangene in St. Bruno ihr Unwesen treiben und einen Polizisten erschießen, wird Shade der Fall übertragen. Unterstützt wird er von dem Gangster Shuggie, einem Jugendfreund. Woodrell stellt Bezüge zur Vergangenheit seines Protagonisten her und zeigt auf, inwieweit einzelne Ereignisse aus dieser noch bis in die Gegenwart hineinwirken.

„John X“ (The ones you do, 1992)
Im Mittelpunkt steht hier John X, der Vater unseres Protagonisten, den es nach langer Abwesenheit wieder nach St. Bruno zieht. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass er sich mächtig in Schwierigkeiten befindet, hat er sich doch einen großen Geldbetrag stehlen lassen, den er für einen sehr dubiosen Kerl aufbewahren sollte.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Daniel Woodrell erzählt uns vom Leben und Sterben "Down in the Bayou". Er nimmt uns in die Sümpfe Louisianas mit, und durch seine überaus bildhaften und intensiven Schilderungen schafft er es mühelos, diese typische Atmosphäre der Südstaaten vor den Augen seiner Leser entstehen zu lassen. 

Der Autor ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, dem man anmerkt, dass ihm nicht nur seine Heimat, die er mit ihren verschiedenen Facetten in seinen diversen Romanen beschreibt, sondern auch seine Figuren am Herzen liegen. 

Die unterschiedlichen Charaktere sind sehr detailliert angelegt und gerade bei dem Protagonisten kann man im Laufe der Trilogie die persönliche Entwicklung sehr gut beobachten. Schonungslos beschreibt Woodrell die schlimmsten Dinge, die Menschen einander antun. 

Aber erstaunlicherweise taucht aus diesem ganzen Morast doch auch immer wieder Menschlichkeit und Hoffnung auf – gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Wortgewaltig und wie immer höchst beeindruckend !

IM SÜDEN ist als Taschenbuch (656 Seiten) in Übersetzung von Christine & Lothar Strüh , Adelheid Zöfel  und Teja Schwaner für 10,99 Euro erschienen.

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