Sonntag, 9. Dezember 2012

FENSTER ZUM TOD - Wendungsreicher Linwood Barclay-Thriller

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Bei einem virtuellen Spaziergang am Computer durch Manhattan ist Thomas vor Schreck wie gelähmt: Im Fenster eines Hauses ist eine menschliche Gestalt zu erkennen, über deren Kopf eine Plastiktüte zusammengezogen wird. 

Thomas ist fest überzeugt, einen Mord beobachtet zu haben. Doch niemand schenkt ihm Glauben – denn er leidet an Schizophrenie. Und am nächsten Tag ist die Aufnahme verschwunden. Hat er sich alles nur eingebildet? (Verlagsinfo)

Ein Klassiker neu aufgelegt, haben wir alles schon gehabt, olle Kamellen? Autoren, lasst euch mal was Neues einfallen? Von wegen. 

Linwood Barclay ist es gelungen, den ursprünglichen Gedanken des von Alfred Hitchcock verfilmten Klassikers Cornell Woolrichs in unsere heutige Zeit zu übertragen, ohne dass einen das Gefühl beschleicht, man habe das ja alles schon einmal gehört. Nicht nur gelingt es ihm außerordentlich gut, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden, er verwendet auch enorm viel Zeit darauf, Thomas‘ Denkstrukturen und das Wesen seiner Krankheit, Schizophrenie, in einer Weise zu schildern, die von sehr großem Einfühlungsvermögen zeugt. 

Das mag manch einem zu langatmig erscheinen, ist aber notwendig, um zu verstehen, was für eine Entwicklung Thomas im Laufe der Geschichte durchmacht. Ich war berührt und sehr angetan von der Tatsache, dass sein „Rain Man“, er bezeichnet ihn auch so an einer Stelle, nicht in gängigen Klischees ertrinkt.

Die Handlung spielt zum Teil auf zwei verschiedenen Zeitebenen, die Übergänge sind gut geschrieben, man kommt zu keiner Zeit durcheinander. Die Überraschungsmomente sind minutiös geplant und wirklich sehr originell. 

Sehr lachen musste ich, als Thomas am Ende seinem Bruder erklärt, er könne nicht mit ihm zusammenleben, weil er, Ray, ihn, Thomas, immer in Schwierigkeiten brächte.

Persönliche Meinung 5***** (von 5 möglichen)
mit einem Extra-Stern

Selbstverständlich sind auch wieder die eine oder andere Finte eingebaut, man muss schon sehr aufpassen. Und obwohl ich bekennender Fan seiner Thriller bin, hat Mr. Barclay es auch dieses Mal wieder geschafft, mich in die Irre zu führen.

Linwood Barclays „Fenster zum Tod“ ist ein zu hundert Prozent in sich stimmiger Thriller, der sich in gekonnten Schleifen bewegt, über sehr gut ausgearbeitete Figuren verfügt und ein in sich logisches Ende besitzt. 

Und für das nächste Mal habe ich mir fest vorgenommen, mich vom Autor nicht wieder hinters Licht führen zu lassen.

FENSTER ZUM TOD ist broschiert (592 Seiten) bei Knaur in einer Übersetzung von Silvia Visintini für 14,99 Euro erschienen.

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