Freitag, 21. Dezember 2012

DIE TRINITY VERSCHWÖRUNG - So muss ein moderner Spionage-Thriller sein

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Sam Gaddis, dem Geschichtsdozenten und Russlandexperten, wird ein lukratives Projekt angetragen: ein Buch über ein bislang unbekanntes Mitglied des berüchtigten Spionagerings der "Cambridge Five". Mit dieser Bezeichnung waren jene fünf Agenten des britischen Geheimdienstes gemeint, die ihr Wissen bis in die frühen 1950er-Jahre an die Sowjets verraten haben. 

Nun behauptet eine Journalistin, Informationen über einen sechsten Mann gefunden zu haben, der womöglich noch lebt. Sam ahnt nicht, dass seine Recherchen lebensgefährlich sind. Denn seine Enthüllungen drohen Großbritannien und Russland in ihren Grundfesten zu erschüttern. Um das zu verhindern, sind einige Leute bereit, über Leichen zu gehen. (Verlagsinfo)

Ausgangspunkt für diesen Spionagethriller ist eine wahre Begebenheit: In den dreißiger Jahren wurden am altehrwürdigen Trinity-College in Cambridge fünf junge Männer vom russischen Geheimdienst angeworben, die während des zweiten Weltkriegs Russland mit Informationen über die Pläne der Alliierten auf dem laufenden hielten. Ende 1950/Anfang 1960 wurden alle enttarnt – was aber, wenn die Gruppe aus sechs Mitgliedern bestanden hätte?

Hier setzt nun die Fiktion ein: Mit dieser Frage wird Charles Cummings Protagonist Sam Gaddis von einer befreundeten Journalistin konfrontiert, die kurz nach dem Gespräch seltsamerweise an Herzversagen stirbt. 

Sam Gaddis, der dringend Bares für die Unterhaltszahlungen an seine geschiedene Frau benötigt, beginnt zu recherchieren, denn er sieht die Chance, diese Story zu einem Bestseller zu verarbeiten und stürzt sich mit Feuereifer in die Arbeit. Allerdings hat er die schlafenden Hunde unterschätzt, die es nun so gar nicht mögen, wenn man sie weckt.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Sehr spannend und mit vielen Bezügen zu realen Personen (z.B. Putin) und Ereignissen hat Charles Cumming mit diesem Thriller einen modernen Spionage-Roman geschrieben, der nicht auf vordergründige Action aus ist, sondern Mitdenken von seinen Lesern fordert, da die Geschichte sehr komplex und teilweise verschachtelt konstruiert ist. 

Aber im Vergleich zu den Thrillern des Altmeisters John Le Carree wirkt "Die Trinity Verschwörung" nie schwerfällig und langatmig. So muss ein Spionage-Thriller sein!

Kurze Notiz am Rande: 1995 hat man dem Autor Charles Cumming offenbar angeboten, für den britischen Geheimdienst MI6 zu arbeiten, was dieser aber dankend ablehnte.

DIE TRINITY VERSCHWÖRUNG (448 Seiten) ist als Taschenbuch im Goldmann Verlag in einer Übersetzung von Walter Ahlers für 9,99 Euro erschienen.

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