Mittwoch, 26. Dezember 2012

DER KÖNIG VON BERLIN -Seitenhiebe auf Lokalpolitik & der ganz normalen Wahnsinn

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied des Bakerstreet Chronicle

Horst Evers neues Buch „Der König von Berlin“ ist zum ersten Mal ein Kriminalroman:

Kommissar Lanner wurde aus der Provinz in die Hauptstadt Berlin versetzt und wartet dort nun auf seinen ersten großen Fall und diese bahnt sich in Form des vergrabenen Ghostwriters Kaminski und der größten Rattenplage aller Zeiten an, welche Kammerjäger Machallik im Falle seines Ablebens prophezeit hatte. 

Doch sowohl im Fall Kaminski als auch beim Tod Machalliks, der als Unfall deklariert worden war, macht sich Lanner keine Freunde. Zu viele zu einflussreiche Menschen legen Lanner einen Stein nach dem anderen in den Weg. 

Und dann ist da noch seine übermotivierte Kollegin Markowitz, die sich nur zu gerne an Lanners Seite profilieren möchte, sowie die vielen ehelichen und unehelichen Söhne des alten Machallik, die nebenbei versuchen, der Rattenplage Herr zu werden.

Horst Evers ist vor allem als Kabarettist bekannt. Der 55-jährige Wahlberliner hat Germanistik und Sozialkunde studiert und nimmt bereits seit 1989 den Alltag auf die Schippe, wofür er schon mehrfach ausgezeichnet wurde – ebenso wie für seine Bücher.

„Der König von Berlin“ ist jedoch im Gegensatz zu seinen anderen Büchern zum ersten Mal ein Kriminalroman. Dennoch spielen auch hier das Karikieren des Alltags und der trockene Humor eine sehr wichtige Rolle. Man könnte sogar sagen, dass die Geschichte ohne Evers’ spöttische Sicht auf das ganz gewöhnliche Leben eher von äußerst abstrusem Charakter wäre. 

Da Evers selbst seine Tätigkeit als Geschichtenerzähler zwischen Kabarett und Comedy ansiedelt, ist wohl klar, dass seine Storys ohne Humor undenkbar wären. Das beste Beispiel dafür ist Evers Figur des Toni Karhan. Ein Mann, der in Deutschland aufgewachsen ist und studierte, der aber festgestellt hat, dass das Leben einfacher zu bewältigen ist, wenn er seinen Wortschatz auf „Ist schlecht“, „Ist gut“ und „Ist egal“ reduziert. Einfach köstlich!

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Trotz der knapp 400 Seiten ist „Der König von Berlin“ äußerst kurzweilig und voller überraschender Wendungen – bis zur allerletzten Seite.

Wer spektakuläre Ereignisse à la James Bond erwartet, wird enttäuscht sein. Wer jedoch über Seitenhiebe auf Lokalpolitik und den „ganz normalen Wahnsinn“ herzlich lachen kann und für den die Ernsthaftigkeit der Story nicht an erster Stelle steht, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

DER KÖNIG VON BERLIN ist gebunden (384 Seiten) bei Rowohlt Berlin für 19,95 Euro erschienen.

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