Samstag, 15. Dezember 2012

BLUE - Viele Überlegungen zu Evolutionstheorien, Feminismus & Verhaltensforschung

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Im Original bereits 1988 erschienen, doch jetzt erst ins Deutsche übertragen: Abigail Padgetts Kriminalroman „Blue“: Blue McCarron ist Sozialpsychologin, doch in ihrem eigenen Leben ist so einiges schief gelaufen. Nach der Inhaftierung ihres Zwillingsbruders und sie von ihrer Lebensgefährtin und Liebe ihres Lebens verlassen wurde, zog sie sich in ein einsames Motel in der Wüste zurück. 

Doch plötzlich beauftragt sie ein Klient mit der Untersuchung eines Mordes, den seine Schwester angeblich vor Jahren begangen haben und dann die Leiche in einem Kühlhaus versteckt haben soll. Blue nimmt widerwillig die Ermittlungen auf, muss jedoch bald feststellen, dass sie selbst eine ungeahnt große Rolle in diesem Fall spielt.

Abigail Padgett stammt aus Indiana, USA, und wurde 1942 geboren. Sie ist studierte Erziehungswissenschaftlerin und arbeitete als Englischlehrerin und Gerichtsermittlerin für den Kinderschutz in San Diego, eh sie sich ab 1988 ganz dem Schreiben widmete. Die „Blue“-Serie ist die zweite Romanreihe mit weiblicher Protagonistin aus ihrer Feder.

Obwohl der Plot des Romans sehr viel versprechend klingt, verliert sich die Autorin leider allzu sehr in feministischen Theorien, den privaten Problemen und den Gedanken über das Leben ihrer Protagonistin. Der eigentliche Fall kommt im ersten Drittel des Buches bei weitem zu kurz oder spielt nur eine äußerst untergeordnete Rolle, weil immer wieder Details aus Blues Vergangenheit angedeutet, jedoch nicht wirklich aufgeklärt werden. 

Das wirkt beim Lesen schnell ermüdend, ständig neue lose Fäden vorgesetzt zu bekommen, die scheinbar nicht zusammengehören. Wer bis zur Mitte des Buches durchgehalten hat, wird dann mit einem spannenden Mittelteil und einem überraschenden Ende belohnt. Leider wirkt das Finale allerdings ein wenig an den Haaren herbeigezogen, auch wenn schließlich alle losen Enden zu einem Gesamtbild verknüpft werden.

Störend empfand ich persönlich hierbei nicht den Schreibstil der Autorin sondern die Figuren selbst. Die vielen Überlegungen zu Evolutionstheorien und Verhaltensforschung sowie die feministischen Ansichten lassen weite Teile eher wie einen pseudo-wissenschaftlichen Vortrag wirken. Die Geschichte erfordert also leider erst einmal Geduld, bis sie in Fahrt kommt.

BLUE ist als Taschenbuch (372 Seiten) im Prospero Verlag in einer Übersetzung von Jutta Lützeler für 12,95 Euro erschienen.

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