Mittwoch, 28. November 2012

CARL TOHRBERGS WEIHNACHTEN - Kurz-Geschichten von Ferdinand von Schirach

Rezension von Elke Heid-Paulus

Ein Bäcker backt die beste Torte seines Lebens … Richter Seybold geht in Pension … Carl Tohrberg feiert Weihnachten … Drei Geschichten, in denen Ferdinand von Schirach von den Abgründen schreibt, die sich hinter scheinbar ganz alltäglichen Dingen auftun. (Verlagsinfo)

Braucht jemand noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Buchliebhaber? Dann möchte ich euch diese Kurzgeschichten-Sammlung aus dem Piper Verlag ans Herz legen. Das schmale, in rotes Leinen gebundene Bändchen ist nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern auch, obwohl nur 64 Seiten dünn, sehr gehaltvolle Kost.

Was geschieht mit einem Mann, dem der Psychiater eine "gefährliche Störung" bescheinigt, wenn er von der Frau, die er begehrt, zurückgewiesen wird?

Womit beschäftigt sich ein Amtsrichter, der sich sein gesamtes Leben lang ausschließlich durch seine Arbeit definiert hat, wenn er reif für den Ruhestand ist?

Kann ein Versicherungsmathematiker seine künstlerische Ader lebenslang unterdrücken und unbeschadet der emotionalen Kälte seines Elternhauses entfliehen?

Von Schirach erfreut seine Leser in bewährter Manier mit drei nüchtern, fast emotionslos erzählten Geschichten über Menschen, die plötzlich und für Außenstehende absolut unbegreiflich, völlig ver"rückt" agieren. Setzt man diese Taten jedoch in Beziehung zu den Verletzungen der Psyche, die diesen Menschen im Laufe ihres Lebens zugefügt wurden, so wirkt deren Handeln schlussendlich völlig logisch und nachvollziehbar, und es wäre eher verwunderlich, wenn es nicht in einer Katastrophe enden würde.

Kleine Geschichten, die jedoch lange nachhallen, wenn man von Schirachs Erzählstil schätzt.

TOHRBERGS WEIHNACHTEN ist gebunden (64 Seiten) im Piper Verlag für 9,00 Euro erschienen

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