Freitag, 9. November 2012

STILLER TOD - Drastischer Kapstadt-Thriller von Roger Smith

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber in der Küche vergnügt. Nur Vernon Saul, eine verwundete, aber gefährliche Seele, bekommt mit, was am Strand vor sich geht. 

Doch er greift nicht ein. Der ehemalige Polizist aus den Elendsvierteln von Kapstadt ist für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Inzwischen arbeitet er für eine Sicherheitsfirma und dreht in den Bezirken der Reichen seine Runden. Das Gefühl von Macht ist das Einzige, was Saul antreibt. 

Und er hat Macht - über Dawn, eine drogensüchtige Prostituierte, die er erpresst, über seine Mutter, die er in ihrem eigenen Haus wie eine Sklavin hält, und über Nick Exley, der kurz nach Sunnys Tod eine Tat begeht, die alles auf den Kopf stellt. (Verlagsinfo) 

Der südafrikanische Autor Roger Smith erzählt in seinem neuesten Kapstadt-Thriller von Menschen, die sowohl Opfern als auch Täter sind: Nick und Caroline Exley, die ihre Tochter Sunny durch einen schrecklichen Unfall verlieren, der vermeidbar gewesen wäre, wenn sie ihr die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet hätten. 

Vernon Saul, Ex-Cop und Angestellter eines privaten Wachdienstes, der ein Kind ertrinken lässt, weil er sich durch diese Tragödie einen persönlichen Vorteil verspricht. 

Dawn, die alleinerziehende Stripperin, die die Emotionen eines Vaters ausnutzt, um für sich und ihre Tochter Zugang zu einem besseren Leben zu bekommen. 

Jeder von ihnen hat seine eigene, von Missbrauch geprägte Geschichte, wobei hier nicht nur physische sondern auch psychische Gewalt die Seelen zerstört und Menschen geschaffen hat, denen jegliches Mitgefühl abhanden gekommen ist. Im Zentrum allen Handelns steht immer nur der eigene Vorteil, der Profit, der sich aus einem Ereignis schlagen lässt. 

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Roger Smith schildert in drastischen Worten die südafrikanische Wirklichkeit jenseits der Hochglanzprospekte der Reisebüros und gewährt dem Leser durch seine Protagonisten Vernon, Nick und Dawn realistische Einblicke aus unterschiedlichen Perspektiven in den jeweiligen Alltag, der durch unglaublich rohe Gewalt geprägt ist. 

Das hat absolut nichts mit Safari-Touren und Sightseeing zu tun – hier geht es ausschließlich ums nackte Überleben. Ein Autor, der den Finger auf die Wunde legt – und kein Buch für zarte Gemüter!

STILLER TOD ist gebunden (380 Seiten) im Verlag Tropen bei Klett Cotta in einer Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für 19,95 Euro erschienen.

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