Donnerstag, 22. November 2012

IM TAL DES FUCHSES - Charlotte Link setzt auf Psychologie statt purer Action

Krimi-Rezension von Elke Heid Paulus

Ein sonniger Augusttag, ein einsam gelegener Parkplatz zwischen Wiesen und Feldern. Vanessa Willard wartet auf ihren Mann, der noch eine Runde mit dem Hund dreht. In Gedanken versunken bemerkt sie nicht das Auto, das sich nähert. Als sie ein unheimliches Gefühl beschleicht, ist es schon zu spät: Ein Fremder taucht auf, überwältigt, betäubt und verschleppt sie. 

In eine Kiste gesperrt, wird sie in einer Höhle versteckt, ausgestattet mit Wasser und Nahrung für eine Woche. Doch noch ehe der Täter seine Lösegeldforderung an ihren Mann stellen kann, wird er wegen eines anderen Deliktes verhaftet. Und überlässt Vanessa ihrem Schicksal. (Verlagsinfo)

Gesetzestreu kann man Ryan Lee nun nicht unbedingt nennen, und mit ehrlicher Arbeit hat er auch nichts am Hut. Aber er hat jede Menge Schulden bei dubiosen Geldgebern, die nun zurückgezahlt werden müssen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma scheint eine Entführung zu sein, die einen ordentlichen Batzen Lösegeld verspricht. Aber dann läuft alles schief, was nur schief laufen kann - vor allem für das Opfer.

Charlotte Link benötigt drei Erzählperspektiven, um die unterschiedlichen Handlungsstränge logisch und stringent aufzubauen:

Da ist natürlich Ryan Lee, der Entführer, der vor lauter Feigheit verschweigt, dass sein Opfer Vanessa in einer Kiste eingesperrt dem Tod entgegensieht, sofern niemand sie befreit. Bei ihm dominiert anfänglich die Feigheit bzw. die Angst vor einer hohen Gefängnisstrafe sein Verhalten. Später wird dies allerdings von einer diffusen Unsicherheit überlagert, denn es könnte ja durchaus sein, dass sich Vanessa doch befreien konnte (oder befreit wurde) und nun auf Rache sinnt.

Nora Franklin nimmt mit dem Häftling Ryan Kontakt auf und verliebt sich in diesen. Während der Haft bietet sie Halt und gibt ihm eine Perspektive für die Zeit nach dem Gefängnis, denn nach seiner Entlassung nimmt sie ihn bei sich auf.

Und dann gibt es noch Jenna Robinson, die eine gemeinsame Zukunft mit Matthew plant, dem Mann des Entführungsopfers. Aber sie wird schon bald von Zweifeln heimgesucht.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Nun ja, die "Vergessenes-Opfer-in-der-Kiste" Geschichte kennen wir ja bereits aus „Stirb ewig“ von Peter James. 

Im Gegensatz zu seinem Thriller legt Charlotte Link jedoch ihren Schwerpunkt weniger auf die pure Action als vielmehr auf gut ausgearbeitet Figuren, so dass man deren Beweggründe schlüssig nachvollziehen kann, obwohl ich der Meinung bin, dass etwas mehr Tempo der Geschichte gut getan hätte, denn stellenweise war mir das dann doch etwas zu viel „Küchenpsychologie“.

IM TAL DES FUCHSES ist gebunden (576 Seiten) bei Blanvalet für 22,99 Euro erschienen.

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