Freitag, 2. November 2012

HIMMLISCHE JUWELEN - Betulicher Mix aus Donna Leon- Krimi & Musikunterricht

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Caterina Pellegrini liebt ihre Heimatstadt Venedig ebenso wie die Musik. Als sich ihr die Chance bietet, in der Fondazione Musicale Italo-Tedesca zwei verschollene Truhen mit dem Nachlass eines Barockkomponisten zu begutachten, ist sie Feuer und Flamme. 

Doch nicht nur sie ist hinter den Schätzen her, die sich hinter den Dokumenten verbergen könnten. (Verlagsinfo) 

Ein Venedig-Krimi von Donna Leon ohne Commissario Brunetti – ob das funktioniert? Ich war sehr neugierig auf das Buch, zumal die Zutaten für eine interessante Geschichte durchaus gegeben waren: Eine junge, gutgläubige Musikwissenschaftlerin, die von dubiosen Auftraggebern mit einer Schatzsuche in der "Serenissima" beauftragt wird und dazu dann noch die für Leon typischen Seitenhiebe in Richtung Kirche und Politik. 

Herausgekommen ist allerdings eine etwas seltsame Mischung zwischen Krimi, historischem Roman und einer Einführung in Leben und Wirken des vergessenen Komponisten Agostino Steffani, die sich nur mäßig spannend liest. 

Die Autorin, bekanntermaßen eine große Anhängerin der Barockmusik, hat sich von ihrer Liebe zur Musik leiten lassen, mit Sicherheit sehr gründlich recherchiert und diese Ergebnisse offenbar alle in ihr neuestes Buch gepackt. Derart mit Fakten überfrachtet, gestaltet sich die Lektüre anfangs sehr trocken und zäh. 

Vollends unerträglich wird es dann, wenn der Leser der Protagonistin bei der Erforschung und Interpretation der gefundenen Dokumente über die Schulter schauen darf/muss. Das mag für einen Liebhaber der klassischen Musik interessant sein, aber ich bezweifle, dass der "normale" Krimileser eine Gänsehaut bekommt, wenn eine eher biedere Musikwissenschaftlerin verschollene Dokumente entfaltet und interpretiert. 

Alles sehr betulich und ohne Tempo, so dass ich zu keinem Zeitpunkt von der Geschichte gefesselt war und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Es gibt zwar immer wieder Verschnaufpausen für den Leser, nämlich dann, wenn Leon sich, was wir bereits aus ihren anderen Krimis kennen, über die venezianische Vetternwirtschaft und Korruption auslässt, aber diese Stellen sind leider viel zu selten als dass sie den Leseeindruck zum Guten wenden würden.

Literarischen Experimenten gegenüber bin ich in der Regel aufgeschlossen, aber in diesem Fall wäre es besser gewesen, wenn der Schuster doch bei seinen Leisten geblieben wäre.

HIMMLISCHE JUWELEN ist gebunden (295 Seiten) bei Diogenes in einer Übersetzung von Werner Schmitz für 22,90 Euro erschienen.

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