Sonntag, 18. November 2012

GLÖCKCHEN, GIFT UND GÄNSEBRATEN - 24 Weihnachtskrimis

Krimi-Rezension von Petra Weber

Weihnachten, Zeit der Stille und Besinnung. Der Schnee rieselt leise, während Plätzchenduft und Chormusik die Stuben erfüllen. Bei Kerzenschein erzählt man sich Geschichten und genießt das traute Beisammensein. 

Doch Vorsicht! Schnell ist’s aus mit Eintracht und Gemütlichkeit, wenn diese 24 Krimis ausgepackt werden und Weihnachten sich von seiner blutigen Seite zeigt. Ob auf Sylt, in Bonn oder Berchtesgaden – quer durchs Land wird verraten, vergiftet und verscharrt. Der friedlichen Adventszeit ist nicht zu trauen, und dem Weihnachtsmann schon gar nicht… (Verlags-Info)

Man kann das Taschenbuch "Glöckchen, Gift und Gänsebraten" als Adventskalender nutzen. Muss man aber nicht, denn die 24 Kurzkrimis sind zwar alle weihnachtlich inspiriert, können aber auch zu jeder anderen Lesezeit richtig Spaß machen.

Auch der Hinweis "von Rügen bis ins Zillertal" sollte Regio-Krimi-Skeptiker nicht fernhalten, weil -wenn überhaupt erkennbar- der geographische Bezug doch angenehm marginal ist und kaum eine Rolle spielt.

Die Sammlung ist ein unterhaltsamer Mix aus witzigen, spannenden und bitterbösen Geschichten rund um Mord und Totschlag.

Da wird z.B. der zu erwartende Albtraum, wenn unsere Wünsche wirklich zu 100% in Erfüllung gehen, so erschreckend wie amüsant von Nina George in "Der perfekte Mann" in Szene gesetzt. 

Regine Kölpin bestätigt hingegen die Vermutung aller menschlichen Dosenöffner, dass schnurrende Haustiger eine ganz eigene Vorstellung von friedvoller "Katzenweihnacht" haben, und Sabine Trinkaus zeigt  in ihrem Krimi mit dem doppeldeutigen Titel "Zwei Gänse", was Frauensolidarität letztlich erreichen kann.

Kann man bei einigen der Krimis schmunzeln oder herzhaft lachen, so holt einen Mechtild Borrmann in "Das vierte Gebot" gekonnt und mit Gänsehautgefühl in die grausame Realität zurück.

Die Krimis sind so unterschiedlich, wie die beteiligten Autoren in diesem wenig adventlichen "Kalender" und gerade diese Mischung macht's.

Einige wenige Kurz-Krimis konnten mich nicht überzeugen so u.a. die Geschichten von Ingrid Noll und Friedrich Ani (letztere schon wegen des schwerlich lesbaren Textes, ohne jeden Absatz), doch bei 24 Geschichten entspricht natürlich nicht jeder Kurz-Krimi dem persönlichen Geschmack. 

Alles in allem ist das Taschenbuch "Glöckchen, Gift und Gänsebraten", dem ich ein ansprechenderes Cover gewünscht hätte, eine für Kurz-Krimi-Fans sehr zu empfehlende Lektüre. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

GLÖCKCHEN, GIFT UND GÄNSEBRATEN wurde als Taschenbuch (336 Seiten)von Johannes Engelke  im Knaur Verlag für 9,99 Euro herausgegeben.

1 Kommentar:

  1. Und wer aus dem Rheinland kommt, kann sich am 27.11.2012 um 20 Uhr bei Thalia im Metropol in Bonn auch aus dem Buch vorlesen lassen. Judith Merchant und Sabine Trinkhaus lesen aus dem Buch.

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