Dienstag, 6. November 2012

GHOSTWRITER - Amüsante Krimi-Parodie mit trockenem nordischen Humor

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich

Wie es einem erfolglosen Autor gehen kann, erklärt uns Jesko Wilke in seinem Erstlingswerk: 

Volkmar Vogt ist ein Loser in jedem Lebensbereich: seine Frau hat ihn sitzen lassen, seine Kinder wollen nichts von ihm wissen, er ist ständig pleite und niemand interessiert sich für sein Geschreibsel. Doch plötzlich ändert sich das – und zwar als sein Agent den Starautor Kurt Kalinski tot in seiner Wohnung findet und auf die Idee kommt, dass Vogt dessen letzten Roman beenden könnte und sie gemeinsam die Provision einstreichen. 

Vogt, dem bereits die Räumungsklage droht, kann nichts tun, als auf den Deal einzugehen. Doch plötzlich sitzen ihm nicht nur seine Ex-Frau, sein Agent und sein Vermieter im Nacken sondern auch noch eine widerspenstige Englische Bulldogge, die Polizei und Kalinskis Tochter – und dann wäre da ja auch noch die Leiche des Autors in der Gefriertruhe… 

Volkmar Vogt ist der geborene Antiheld. Und obwohl er als Autor einen Krimi schreibt, kann man sein Abenteuer als „Ghostwriter“ wohl am besten als Krimiparodie beschreiben. 

Wie er – gänzlich auf den Hund gekommen – in das Possenspiel seines Agenten hineingezogen wird, stets kurz davor, mit der Leiche in der Kühltruhe aufzufliegen. Von einer aberwitzigen Situation in die nächste schlitternd, ohne dass er großartig etwas dafür (oder dagegen) tut. „Ghostwriter“ vereint alle Wendungen, die eine solch groteske Ausgangssituation mit sich bringen kann, in haarsträubender Art und Weise bis zum furiosen Finale mit abschließendem Happy End. 

Am Ende werden vielleicht doch zu viele Klischees bedient, aber das tut der Geschichte kaum einen Abbruch. Es wäre an dieser Stelle künftigen Lesern des Romans gegenüber jedoch einfach unfair, mehr zu verraten. 

Persönliche Meinung: 
4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Der trockene nordische Humor macht das knapp 300 Seiten starke Buch äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Tiefgang sucht man hingegen eher vergebens – das war jedoch auch sicher nicht die Intention des Autors. 

„Ghostwriter“ ist die richtige Lektüre für zwischendurch, und muss man es mal aus der Hand legen, fällt der Wiedereinstieg nicht schwer. Wobei dies schon eher schweren Herzens geschieht, schließlich möchte man ja dranbleiben und wissen, ob „Volvo“ es zwischen Hundesitten und Kneipe schafft, Kalinskis Roman zu einem Ende zu bringen und was „seine“ Leser davon halten. 

Ob die Geschichte wohl ein wenig autobiographisch ist? 

Der 1959 geborene Hamburger Jesko Wilke hat selbst zwei Kinder und einen Hund – wie sein Protagonist. Obwohl „Ghostwriter“ sein erster Roman ist, arbeitet er bereits lange als freier Journalist und im Verlagswesen. Ursprünglich studierte er jedoch Philosophie, Kunsttherapie und –pädagogik. 

Für alle Krimifreunde, denen ein ironischer Seitenhieb auf das Krimigenre gerade recht kommt, ein absoluter Lesetipp!

GHOSTWRITER ist als Taschenbuch (288 Seiten) bei rororo für 8,99 Euro erschienen.

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