Donnerstag, 8. November 2012

FLAMMENKINDER - Neuer Pageturner-Thriller von Lars Kepler

Krimi-Rezension von Dani Nimz

In einer Einrichtung für suizidgefährdete junge Mädchen im Norden Schwedens wird eine Zwölfjährige ermordet aufgefunden - aufgebahrt in einem Bett, mit beiden Händen vor dem Gesicht. In der gleichen Nacht wird eine Krankenschwester brutal erschlagen. 

Niemand hat etwas gesehen. Als in einem Zimmer ein blutverschmierter Hammer gefunden wird, scheint der Fall aufgeklärt, doch das Mädchen, das dort lebte, ist verschwunden. Ihm ist es gelungen, in einem Auto zu fliehen. Für die Polizei beginnt damit ein dramatischer Kampf gegen die Zeit, denn in dem Wagen saß ein kleines Kind. 

Das Auto wird kurze Zeit später in einem Fluss in der Nähe entdeckt, und die Mörderin gilt auf tragische Weise als überführt. Nur Kriminalkommissar Joona Linna ist skeptisch. Zu viele Fragen sind noch offen. Was war das Mordmotiv? Und warum wurde eines der Opfer so merkwürdig aufgebahrt? (Verlagsinfo)

Endlich! Wie langsam doch so ein Jahr vergehen kann! Nach dem "Hypnotiseur" und "Paganinis Fluch" hat das Autorenehepaar Ahndoril jetzt seinen dritten Joona-Linna-Thriller herausgebracht. 

Ich habe gern gewartet und es hat sich absolut gelohnt. "Paganinis Fluch" war spannend und gut erzählt, stand aber trotzdem noch im Schatten des grandiosen Erstlings "Der Hypnotiseur". 

Dieser dritte Teil dagegen, "Flammenkinder", kann unbedingt mit dem Erstling mithalten, ihn meiner Meinung sogar noch toppen, denn er ist das reinste Überraschungspaket. 

Hat sie? Hat Vicky tatsächlich Miranda und Elisabeth ermordet? Warum hätte sie das tun sollen? Zuerst deutet wirklich restlos alles daraufhin, dass Vicky tatsächlich die Morde begangen hat. Spätestens, als sie dann noch den Wagen der Pastorin samt deren vierjährigem Sohn stiehlt, kann es gar nicht anders sein. 

Einzig ihr Psychologe, Elisabeths Mann, glaubt nicht daran. Der Plot entwickelt sich rasant, schlägt Haken, und bald wird klar, dass sich alles ganz anders verhält. Wie im Hypnotiseur auch schon, holt sich Joona Linna gern mal Hilfe aus einer ungewöhnlichen Ecke. 

Diesmal engagiert er ein Medium. Dieses „Medium“ hat allerdings auch sehr eigene merkwürdige Lebensumstände, aber so ist Kepler, je skurriler, desto besser.

Insgesamt finde ich die Story sehr gut erzählt. Die Figuren sind plastisch, allein die Idee, einen finnischen Schweden oder schwedischen Finnen als Hauptakteur spielen zu lassen. Sehr schön finde ich auch, dass man in diesem Buch mehr über die Frau und das Kind von Linna erfährt, dass da irgendwann irgendwo irgendein Unfall passiert war, wurde ja schon angedeutet. 

Eine alte Dame namens Rosa hilft durch diesen Erzählstrang. Besonders durch diesen Teil der Geschichte gewinnt Joona Linnas Figur immens an Profil, er wird immer ein Rätsel bleiben, vermute ich, aber ein interessantes und immer wieder neue Facetten offenbarendes Rätsel. 

Auch das Setting ist wieder hervorragend gewählt, die weiten Wälder und einsamen Straßen Schwedens, als Pia ihren Sohn verliert – ich fühlte mich richtig verloren! 

Die Schilderung des Jugendheimes, der Mädchen, die schon alles gesehen und alles erlebt haben, tief verstört sind und doch nicht hoffnungslos und allein sind, hat mich sehr beschäftigt. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Was in der Verlagsinfo wahrscheinlich den Hardcore-Thriller-Fan anlocken soll, - ja, es ist blutig, ja, es gab einen Hammer und ja, sie wurden brutal erschlagen – ist zwar wirklich sehr grauslig, aber durch das vielschichtige Szenario und die vielen Informationen, die auf einen einprasseln, die vielen Figuren, die gleichzeitig vorgestellt werden, und das im Geiste nochmal Rekapitulieren – wer war Joona Linna doch gleich noch? Was war an dem so anders? - tritt das ganze „Blut“ und „Hammer“ und „brutal erschlagen“ eigentlich sehr schnell in den Hintergrund. 

Es ist natürlich trotzdem splattermäßig. Ich bin ja eher für „weniger ist mehr“, aber hier fand ich es okay. 

Es gibt gute Bücher, sehr gute Bücher, und es gibt Pageturner. Leider sind Letztere rar geworden in der Immer-mehr-immer-billiger-Aera. Zum Glück aber gibt es sie noch und "Flammenkinder" gehört eindeutig dazu. Unbedingte Kaufempfehlung.

FLAMMENKINDER ist gebunden (Seiten) bei Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Paul Berf für 19,95 Euro erschienen

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