Mittwoch, 21. November 2012

ENDLICH SIND SIE TOT - Psychologisch ausgefeilte Story

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Psychologin Daniela Ellinger wird zu einem grausigen Tatort gerufen und soll helfen, Licht in die Psyche des Mörders zu bringen. Der Täter scheint auch schon festzustehen: Marvin Brose, Sohn und Bruder der Getöteten. Doch auch alle Nachbarn der Familie hätten einen Grund gehabt, sich der Familie Brose zu entledigen. (Verlagsinfo) 

Obwohl die ersten Sätze des neuen Buches von Sebastian Stammsen "Blut. An der Wand, an der Wohnzimmertür, auf dem Sofa und dem Boden. Überall war Blut." lauten, hat der Autor keinen Metzel-Krimi sondern einen Kriminalroman geschrieben, der sich vor allem durch psychologische Sachkenntnis auszeichnet – kein Wunder, ist Stammsen doch von Haus aus Psychologe. 

Hat er oder hat er nicht? Und wenn ja, warum? Kann ein Siebzehnjähriger wirklich so grausam sein und seine Eltern samt Bruder derart brutal abschlachten? Und wenn er es nicht war, wer war es dann? Vielleicht doch einer der Nachbarn, die über einen langen Zeitraum mit den Mordopfern im Clinch lagen und deren rücksichtsloses Verhalten ertragen mussten? 

Auch die beiden auf diesen Mordfall angesetzten Ermittler tappen im Dunkeln. Kommissar Oliver Busch leitet die Ermittlungen, und ihm zur Seite steht Daniela Ellinger, Psychologin mit einem Hang zur Farbe Rosa, die deshalb auch hinter vorgehaltener Hand nur "Psycho-Barbie" genannt wird. 

Diese beiden haben total unterschiedliche Herangehensweisen an das Verbrechen und deshalb auch ihre Probleme miteinander. Busch fährt die harte Linie – gnadenlos geht es ihm in erster Linie darum, den Täter zu überführen und dann auch hart zu bestrafen, wohingegen Ellinger den Täter verstehen will und nach den Gründen für die Tat fragt. 

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Gerade aus dieser gegensätzlichen Herangehensweise bezieht das Buch seine Dynamik, denn Stammsen lässt die Psychologin und den Kommissar abwechselnd ihre Sicht der Dinge schildern. 

Dadurch ist der Leser immer sehr nahe am Geschehen, hat den gleichen Kenntnisstand wie Ellinger und Busch, und kann außerdem amüsiert verfolgen, wie sich das ungleiche Paar beharkt und am Ende den Fall löst. 

Allerdings hat mir der Umstand, dass eigentlich doch von Anfang an klar war, wer der Täter ist, dann doch etwas die Spannung genommen. Ein Krimi für Leser, die in erster Linie die Hintergründe einer Tat interessieren und ein Faible für psychologisch ausgefeilte Plots haben.

ENDLICH SIND SIE TOT ist broschiert (384 Seiten) im Grafit Verlag für 10,99 Euro erschienen

1 Kommentar:

  1. Klar gibt es Unterschiede bei den Krimis. Da der Autor in diesem Fall Psychologe ist, liegt auf der Hand, dass er dieses Thema auch behandelt und das, so denke ich, ist ihm ausgezeichnet gelungen.

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