Samstag, 10. November 2012

DER GEIGER - Die Suche nach einer Stradivari wird zur Suche nach der Wahrheit

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied des Bakerstreet Chronicle

„Der Geiger“ heißt der neueste Kriminalroman der Preisträgerin des Deutschen Krimipreises 2012, Mechtild Borrmann:  

Nach vielen Jahren, in denen Sascha Grenko von seiner Schwester getrennt war, erhält er eine dringende Nachricht von ihr, doch als er sich mit ihr treffen möchte, wird sie vor seinen Augen ermordet. Und sie ist nicht die einzige, die für das Familiengeheimnis der Grenkos sterben muss. 

Sascha findet heraus, dass sein Großvater, Ilja Grenko, ein begnadeter Violinist war und angeblich aus Russland geflohen ist, in Wirklichkeit wurde er jedoch als Verräter verurteilt und ein Straflager deportiert. 

Das Familienerbe, eine echte Stradivari, ist seither verschwunden und der letzte Wille seines Großvaters war, diese Geige wieder in Familienbesitz zu bringen. Sascha reist nach Kasachstan, um die Wahrheit herauszufinden und diese ist so ungeheuerlich, dass er nur mit Hilfe guter russischer Verbindungen schafft, lebend wieder nach Hause zurückzukehren. 

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

„Der Geiger“ ist nicht bloß die Geschichte einer verschwundenen und überaus wertvollen Geige und der Suche nach ihr, sondern vor allem die traurige Geschichte einer Familie, die dem totalitären russischen Staatssystem zum Opfer fällt – und vor allem, was dieses System aus den Menschen macht.

Ilja wird von seinen eigenen Kollegen als Vaterlandsverräter denunziert und kämpft im Straflager ums nackte Überleben, während seine Familie aus dem Land verbannt und ebenfalls in ein Arbeitslager gesteckt wird. Die Geschichte spielt in Russland, aber sie könnte auch genauso gut im Deutschland der 30er Jahre spielen. 

Einmal mehr ist es der Versuch, vielleicht auch ein Stück deutscher Geschichte aufzuarbeiten. Dessen sollte man beim Lesen dieses Buches durchaus bewusst sein. 

Mechtild Borrmann wurde 1960 in Köln geboren und ist von Beruf eigentlich Pädagogin. Sie durchlief in diesem Bereich sehr viele Stationen, bevor sie in die Gastronomie und zur Schriftstellerei wechselte. Seit einigen Jahren widmet sie sich nun gänzlich dem Schreiben. In diesem Jahr erhielt sie für ihren Roman „Wer das Schweigen bricht“ den Deutschen Krimi Preis. 

Sascha Grenkos Suche nach der Wahrheit über seine Familie ist eine äußerst spannende Geschichte, die den Leser regelrecht an die Seiten fesselt. 

Gleichzeitig ist es aber auch eine unglaublich anrührende Geschichte – vor allem wenn man bedenkt, dass Schicksale wie das von Ilja Grenko hundert- und tausendfach erschreckende Realität wurden. Und manchmal mag man beim Lesen vergessen, dass es sich hierbei um eine fiktive Geschichte handelt, denn das Mitgefühl, das man den Protagonisten entgegenbringt, ist echt.

DER GEIGER ist gebunden (304 Seiten) bei Droemer Knaur für 19,99 Euro erschienen.

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