Montag, 26. November 2012

BIS DASS DER TOD UNS SCHEIDET - Walter Mosley erzählt spannend und geradlinig

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Leonid McGill kennt sich aus in den Straßenschluchten New Yorks und in den dunklen Winkeln der menschlichen Seele. Und dennoch hat er den Glauben an das Gute nicht verloren. Deshalb ist er auch bereit, einer schönen jungen Frau in Not zu helfen, obwohl ihre Geschichte mehr als zweifelhaft ist. Chrystal ist die dritte Frau von Cyril Tyler, einem der reichsten Männer New Yorks. Cyrils Ex-Frauen sind beide auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Und nun hat Chrystal Grund anzunehmen, sie sei die nächste. Und Leonid soll sie vor dem scheinbar besiegelten Schicksal bewahren. (Verlagsinfo)

Wer erinnert sich nicht an die typische Szene aus den alten Bogart-Filmen, wo der Privatdetektiv lässig hinter dem Schreibtisch sitzt, die Bürotür sich öffnet und eine atemberaubend gutaussehende Blondine den Raum betritt, die in Schwierigkeiten ist und Hilfe braucht. Nun - so ähnlich geschieht es Leonid McGill, der Hauptfigur des Autors Walter Mosley in dem dritten Band der Reihe um den afro-amerikanischen Ermittler in New York.

So wirklich glauben kann er Chrystals Geschichte nicht, aber 12.000 Dollar Honorar sind eine Menge Geld – und so übernimmt er den Auftrag, denn in Zeiten der Wirtschaftskrise sind die Aufträge für McGill eher dünn gesät.

Und auch im privaten Bereich türmen sich die Probleme: Leonids Frau Katrina hat eine Affäre mit dem Freund seines ältesten Sohnes, sein Lieblingssohn Twill verlässt die Schule und träumt vom großen Geld durch Betrügereien, sein Sohn Dimitri ist vor Gangstern auf der Flucht, bei seinem besten Freund Gordo Tallman wird eine tödliche Krankheit diagnostiziert und Leonids Freundin Aura überlegt sich, ob sie die Beziehung fortsetzen möchte, weil er sich wegen der Kinder nicht scheiden lassen möchte.

Zu guter Letzt taucht dann auch noch "Onkel Harry" auf, ein alter Freund seines Vaters und einflussreicher Krimineller, der sich auf Familienverpflichtungen beruft und Leonids Hilfe einfordert. Und wieder wird McGill mit seiner unrühmlichen Vergangenheit konfrontiert, die er doch so gerne hinter sich lassen möchte.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Walter Mosley hat in diesem Thriller so viel Stoff verarbeitet, dass mancher Autor mindestens zwei Bücher daraus machen würde. Aber dennoch wirkt die straff und geradlinig erzählte Geschichte zu keinem Zeitpunkt überfrachtet. 

Im Gegenteil – eigentlich will man immer noch mehr über diesen philosophisch veranlagten Ermittler und sein chaotisches Privatleben erfahren.

Und deshalb warte ich sehnsüchtig auf den nächsten Teil der Reihe.

BIS DASS DER TOD UNS SCHEIDET ist als Taschenbuch (378 Seiten) im Ullstein Verlag in einer Übersetzung von Peter Torberg für 9,99 Euro erschienen.

1 Kommentar:

  1. Mir hat der dritte Mosley-Band auch sehr gut gefallen, allerdings hätte der Kriminalplot etwas spannender und überraschender sein können.

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