Montag, 8. Oktober 2012

VERTEIDIGUNG - Grisham überrascht mit ungewohntem Humor und ungewöhnlichen Typen

Krimi-Rezension von Elke Heid Paulus

Als Harvard-Absolvent David Zinc Partner bei einer der angesehensten Großkanzleien Chicagos wird, scheint seiner Karriere nichts mehr im Weg zu stehen. Doch der Job erweist sich als die Hölle. Fünf Jahre später zieht David die Reißleine und kündigt. Stattdessen heuert er bei Finley & Figg an, einer auf Verkehrsunfälle spezialisierten Vorstadt-Kanzlei, deren chaotische Partner zunächst nicht wissen, was sie mit ihm anfangen sollen. 

Bis die Kanzlei ihren ersten großen Fall an Land zieht. Der Prozess könnte Millionen einspielen – die Feuertaufe für David. (Verlagsinfo) 

Dieser neue Gerichtsthriller von John Grisham hat mir großen Spaß gemacht. Zwar ist das David gegen Goliath-Thema jetzt nicht unbedingt neu bei diesem Autor, aber ich kann mich nicht erinnern, bei Grisham solchen "Typen" wie den beiden Winkeladvokaten Oscar Finley und Wally Figg jemals begegnet zu sein. 

Eigentlich sind sie ja eine Schande für die Zunft, lauern sie doch auf der Suche nach Mandanten Unfallopfern auf und klappern Beerdigungsinstitute ab, um von den Hinterbliebenen Testamentsvollstreckungen übertragen zu bekommen.

Immer kurz vor der Pleite, sind diese beiden Schlitzohren für die abwegigsten Ideen empfänglich, solange diese einen Geldregen versprechen. David Zinc bringt zumindest einen Hauch von Seriosität in diese Kanzlei und betrachtet das Geschäftsgebaren seiner Kollegen mit stetig wachsendem Argwohn.

Und als dann Wally einen Pharmakonzern ins Visier nimmt, dessen Cholesterinsenker Todesfälle verursacht, droht so einiges aus dem Ruder zu laufen. Routiniert wie immer baut John Grisham seine Geschichte auf, und versorgt zusätzlich noch so ganz nebenbei den Leser mit interessanten Einzelheiten zum amerikanischen Rechtssystem.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Natürlich dürfen auch die Seitenhiebe auf die Riesenkanzleien nicht fehlen, die die jungen Anwälte fast wie Sklaven arbeiten lassen. Und dann zeigt der Autor zum wiederholten Mal die Praktiken der Großkonzerne auf, gegen deren Tricks und Armada von Juristen jeder Kläger chancenlos ist.

Soweit wäre das alles bereits aus früheren Grisham-Büchern bekannt. Doch im Gegensatz zu seinen früheren Thrillern hat er diesmal seine Handlungsträger mit viel Liebe zum Detail und großen Sympathien angelegt.

Und ein zusätzliches Element, das ich so bei diesem Autor noch nicht gelesen habe, ist der trockene Humor, der das ganze Buch durchzieht und die Lektüre zu einem kurzweiligen Vergnügen macht.

VERTEIDIGUNG ist gebunden (464 Seiten) bei Heyne in einer Übersetzung von Imke Walsh-Araya und Bea Reiter für 22,99 Euro erschienen.

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