Mittwoch, 17. Oktober 2012

SO BITTERKALT - Wenn unter ruhiger Oberfläche tiefe Abgründe lauern

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Kaum ein Bewerber findet den Weg nach Valla an die schwedische Westküste. Jan Hauger besitzt viel Erfahrung und glänzende Zeugnisse. Doch es ist kein Zufall, dass sich der junge Erzieher in dem abgelegenen Kinderhort vorstellt. Durch einen unterirdischen Gang ist der Hort mit der psychiatrischen Klinik verbunden.

So sollen selbst die als gefährlich eingestuften Insassen durch den Kontakt zu ihren Kindern schneller ins Leben zurückfinden. Damit hat Jan kein Problem – aber er hat auch ein unliebsames Geheimnis. Denn unter seiner Aufsicht ging ein Kind verloren, das erst nach Tagen auf noch immer ungeklärte Weise wieder auftauchte.

Und das ist nicht der einzige Fleck auf Jan Haugers Weste. Warum will er ausgerechnet in Valla arbeiten? Und was verbindet ihn mit dem psychopathischen Mörder Ivan Rössl, der seit Jahren in der Klinik behandelt wird? (Verlagsinfo) 

Johan Theorin wurde bei uns durch seine "Jahreszeiten-Krimis" (Öland, Nebelsturm, Blutstein) bekannt, deren Handlungsort die Insel Öland ist.

"So bitterkalt" ist zwar nicht Teil dieser Reihe, aber die Stimmung, die der Autor in seinem neuesten Thriller transportiert, ist ähnlich dunkel und beklemmend: Der Landstrich ist dünn besiedelt und sowohl Jan Hauger als auch die anderen Handlungsträger haben dunkle Geheimnisse, die sie vor der Umwelt zu verbergen versuchen. 

Alles und alle wirken latent bedrohlich, düster und kalt. Und diese Atmosphäre zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Beschrieben werden drei Perioden im Leben des Protagonisten: Ein traumatisches Erlebnis im Jugendalter, das Verschleppen eines ihm anvertrauten Kindes und das aktuelle Geschehen. Zwischen diesen drei Zeitebenen springt der Autor hin und her, und enthüllt so mit fortschreitender Handlung die eigentliche Persönlichkeit seiner Hauptfigur. 

Theorin erzählt sehr ruhig, fast distanziert und versorgt den Leser nur häppchenweise mit Informationen. Die sprachliche Umsetzung ist zwar sehr schlicht, passt aber in diesem Fall sehr gut sowohl zu der Erzählweise als auch zu der Geschichte. 

Als Leser hat man permanent das unbehagliche Gefühl, dass unter der ruhigen Oberfläche tiefe Abgründe lauern. Ein leises Buch, das durch seine intensiven Beschreibungen eine außergewöhnliche Stimmung erzeugt – sehr empfehlenswert!

SO BITTERKALT ist gebunden (480 Seiten) bei Piper in einer Übersetzung für 19,99 Euro erschienen. Hier unsere Rezension zum Hörbuch  SO BITTERKALT .

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