Donnerstag, 4. Oktober 2012

SCHREI AUS DER FERNE - Harte Krimi-Kost ohne Voyeurismus, dafür mit Fingerspitzengefühl

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Ihre Flötenstunde war kurz vor 18 Uhr zu Ende gewesen. Sie Hatte ihren Mantel angezogen, ihre blaue Schultasche genommen und die Wohnung des Musiklehrers verlassen, um draußen auf ihren Vater zu warten. Seither hat niemand mehr die 10-jährige Beatrice gesehen. 

Es ist der blanke Horror für die Eltern. Vor allem für Ruth, die Mutter, ist es ein schreckliches Déjà-vu: Während eines Campingurlaubs 15 Jahre zuvor verschwand ihre Tochter aus erster Ehe ebenfalls spurlos. Tage später fand man sie tot in einem alten Minenschacht. (Verlagsinfo) 

Wer die Nase voll hat von alkoholabhängigen Ermittlern, Polizisten mit zerrütteten Familienverhältnissen und den ewig depressiven Kommissaren, der sollte zu der Grayson/Walker-Reihe von John Harvey greifen. Detective Inspector Will Grayson lebt auf dem Land in der Nähe von Cambridge, führt eine glückliche Ehe und ist zweifacher Vater. 

Und auch auf seine Kollegin, DS Helen Walker, passt er auf und beäugt jede ihrer Liebschaften mit misstrauischen Blicken. 

"Schrei aus der Ferne" ist das zweite Buch dieser Reihe und setzt sich mit einer Reihe von Fragen auseinander: Inwieweit sollte man Rücksicht auf die Rechte eines Verdächtigen nehmen, wenn die Sicherheit beziehungsweise vielleicht sogar das Leben eines Kindes in Gefahr ist? Welche Freiheiten können Eltern ihren Kindern zugestehen, ohne dass diese Schaden nehmen? 

Und die zentrale Frage ist natürlich, welche Auswirkungen es auf Eltern hat, wenn das eigene Kind entführt und ihm Gewalt angetan wird. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Vom Thema her ist das harte Kost, aber Harvey behandelt es mit großem Fingerspitzengefühl und ohne den in diesem Genre so oft üblichen Voyeurismus. 

Er wechselt zwischen den Ereignissen in der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her und der Leser weiß immer nur so viel wie die Ermittler. 

Aber nach und nach fällt jedes Steinchen an seinen Platz und vervollständigt die Story. Und am Ende der Geschichte muss der Leser erst einmal tief durchatmen und das Gelesene sacken lassen.

SCHREI AUS DER FERNE ist als Taschenbuch (544 Seiten) bei dtv in einer Übersetzung von Sofie Kreutzfeldt für 9,95 Euro erschienen.

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