Sonntag, 14. Oktober 2012

MARC RITTER - Man muss das Leben genießen so lange man lebt (Interview)

©  www.foto-schwabing.de
Biggi Friedrichs hat wieder einem Krimi-Autoren ein paar Fragen zu seiner Arbeit und seinem Leben gestellt und der Autor des Thrillers  KREUZZUG war so freundlich ihr und uns einen Blick in seinen Autorenalltag zu gewähren.

Was fasziniert Sie am Schreiben besonders? 
Figuren in die Landschaft setzen zu dürfen und ihnen dann dabei zusehen, was sie treiben. Und, natürlich, die freie Zeiteinteilung (die auch nicht gerade ungefährlich ist ...). 

Können Sie uns etwas über den Entstehungsprozeß von "Kreuzzug", Ihrem ersten Thriller, erzählen? Wie lange recherchieren Sie z.B. für einen Thriller wie diesen? 
Zunächst ist da die Idee, deren Entstehung ich in diesem Fall sogar genau datieren kann: Es war der 18. November 2010, als der damalige deutsche Innenminister Thomas de Maizière vor einem Terroranschlag auf Deutschland warnte und die Reichstagskuppel schließen ließ.

Da dachte ich mir: Gibt es denn nicht vielleicht ein noch symbolträchtigeres Ziel als diese Kuppel? Und nach einigem Hin- und Herüberlegen schoss mir die Zugspitze in den Kopf. Dann entstand erst einmal ein rund 40seitiger Entwurf des Geschehens. 

Und daraus habe ich das Exposé destilliert und eine Textprobe angefertigt. Der Droemer-Verlag fand es klasse. Und richtig zu schreiben angefangen habe ich dann im Januar 2011. 

Die Recherche läuft bei mir neben dem Schreiben. 50:50 vom Zeitaufwand her, würde ich sagen. Viel Internet, aber auch vor Ort-Recherche. Ich bin den Katastrophenschützern des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, der Forschungsstation Schneefernerhaus und der Bayerischen Zugspitzbahn sehr dankbar, dass sie mir offen über alles Auskunft gegeben haben, was ich wissen wollte. 

Gibt es einen bestimmten Rhythmus in Ihrer Arbeitsplanung?  Darf man Sie stören, wenn Sie schreiben? 
Ich lasse mich leider zu gerne stören. Telefon, E-Mail, Facebook gehören verboten. Wenn es dann gar nicht anders geht, ziehe ich mich an einen empfangsfreien Ort zurück. Der Kreuzzug ist zu einem großen Teil auf einer Hütte in 1800 Meter Höhe im Zillertal entstanden. 

Bleiben Ihnen neben dem Schreiben noch Zeit für Hobbys, wenn ja welche sind das? 
Ich habe ein altes Auto in der Garage. Aber genau das ist das Problem: Es steht in der Garage ...Ich jogge ein wenig und habe in der letzten Zeit einen vollkommen abgedrehten und freakigen Extremsport entdeckt: Ich gehe zu Fuß zu Terminen. 

Sie sind Mitglied im "Hornschlittenverein Partenkirchen". Was für ein Verein ist das? 
Ein Verein, der die Bayerische Meisterschaft im Hornschlittenrennen organisiert. Aus einer Stammtischgaudi ist in den letzten 30 Jahren eine richtige Sportart geworden. Obwohl immer noch jeder mitmachen kann, der einen regelkonformen Schlitten hat. Hornschlittenrennen ist in seiner Liebe zum Amateursport die oberbayerische Antwort auf den Cresta Run in St. Moritz. 

Wer mehr wissen will: www.hornschlitten.de. Da kann man auch Mitglied werden. Kostet, glaube ich, 5 Euro im Jahr. 

Würden Sie einem jungen Menschen den Beruf "Autor" empfehlen? 
Wenn er von zu Hause viel Geld hat oder einen reichen Ehepartner findet, der ihn aushält, unbedingt. Es ist der schönste Beruf der Welt. Nur Geld soll man damit nicht verdienen müssen. 

Für welches Genre würden Sie niemals schreiben?
Politische Hetzliteratur. 



Können Sie uns ein lustiges oder skurriles Erlebnis aus Ihrem Autorenleben berichten?
Muss ich fast passen. Außer, dass ich neulich von einer Recherchereise in der Schweiz zurück gekommen bin mit dem Zug. Da standen plötzlich zwei Zivilfahner des deutschen Zolls vor mir im Wagon. Ich sagte ihnen auf ihre diskrete Frage, dass ich garantiert kein Schwarzgeld bei mir tragen würde, weil ich ein armer Autor sei. 

Als dann einer von ihnen in meiner Reisetasche wühlte, fand er eine originalverpackte Krawatte samt Anstecknadel von Rolls Royce. Und in meiner Aktentasche war ein Rolls Royce-Katalog und ein Leasingangebot für ein 250-Tausend-Euro-Auto dieser wunderbaren Marke. Ich hatte vollkommen vergessen, dass ich in Zürich auch inkognito recherchiert hatte, wie man in einem solchen Autohaus behandelt wird. 

Ich konnte dann alles erklären - und die beiden Zöllner sagten, dass sie Krimifans sind. Sie sind hoffentlich jetzt meine Fans. 

Welchen Protagonisten aus einem Roman würden Sie gerne treffen und was würden Sie ihn/sie fragen, bzw. was würden Sie gerne gemeinsam tun?
Ich kenne meine Protagonisten alle viel zu gut, als dass ein solches Treffen irgendwie spannend wäre. Wir würden uns gegenseitig zu Tode langweilen. Eigentlich ein schöner Plot ... 

Haben Sie Gemeinsamkeiten mit den Protagonisten Ihrer Bücher? Wenn ja, welche? 
In jeder Figur steckt ja immer ein Stück Autor drin, nicht nur in den Hauptfiguren. Denn sie sind ja alle einmal seinem Hirn entsprungen. Aber so richtig sich aufdrängende Parallelen? Vielleicht, dass beide meine Hauptfiguren, Karl-Heinz Hartinger in den Krimis ("Josefibichl", "Herrgottschrofen", beide Piper) und Thien Hung Baumgartner im den Thrillern (bisher erschienen: "Kreuzzug", Droemer), eher passive und beobachtende Typen sind, die man regelrecht in eine Aktion hineinzwingen muss. Dieses Phlegma haben sie von mir. 

Welchen Regisseur würden Sie für eine evtl. Verfilmung von "Kreuzzug" wählen? 
Ich glaube nicht, dass Autoren da wählen dürfen, sondern froh sein müssen, wenn eine Verfilmung angeboten wird. 


Welches Buch hat Sie zuletzt nachhaltig beeindruckt? 
Péter Nádas, Parallelgeschichten 


Auf Ihrer Homepage findet man verschiedene Aphorismen, z. B. "Alles, was ich über Menschen weiß, habe ich von meinem Hund gelernt." Was genau haben Sie von ihm über Menschen gelernt? 
Dass man das Leben genießen muss, so lange man lebt. Er ist nämlich vor 5 Wochen gestorben. Zur Beruhigung: Beim Schreiben beißt mich schon wieder ein kleiner Boxer-Welpe in die Zehen.

Ihr neuester Krimi "Herrgottschrofen" soll im April 2013 erscheinen .Es ist der 2. Band der Krimireihe um Karl-Heinz "Gonzo" Hartinger. Verraten Sie uns schon etwas darüber? 
Gerne. Es geht wieder um eine sehr aktuelle Geschichte aus Garmisch-Partenkirchen, die diesmal ihren historischen Hintergrund in der amerikanischen Besatzungszeit hat. Damals haben die Amerikaner einen vollkommen unglaublichen Eistanzpalast in Garmisch errichtet. Mit den schönsten Tänzerinnen Europas. Eine von ihnen ist damals verschwunden ... und 60 Jahre später tauchen Knochen auf, als auf der Baustelle eines Tunnels gegraben wird. 

Und dann tun sich auch im übertragenen Sinn Abgründe auf ... Denn das Morden hat immer noch kein Ende. Natürlich darf auch wieder über Lokalpolitiker und Geschäftsbayern gelacht werden. Doch bei manchen Plänen, die man im schönsten Talkessel der Welt hat, bleibt nicht nur dem einheimischen Leser das Lachen im Hals stecken, das verspreche ich.

Wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen Marc Ritter weiterhin viel Erfolg!

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