Montag, 22. Oktober 2012

DUNKLE SCHATTEN - Eine spannende Geschichte von bewegenden Schicksalen

Krimi-Rezension von Petra Querfurth

Käthe Hirsch liegt tot auf den Gleisen unter der Putlitzbrücke in Berlin. Sie war 1938 vor den Nazis in die USA geflohen. Knapp 55 Jahre später folgte sie der Einladung des Berliner Senats und besuchte die neue alte Hauptstadt. Ihre 29-jährige Großnichte Maja Schäfer reist in das Berlin der Nachwende-Zeit, um Käthes Beerdigung zu organisieren. 

Die Polizei geht von Selbstmord aus. Als Maja erfährt, dass ihre jüdische Großtante Ansprüche auf eine wertvolle Immobilie angemeldet hatte, die bis 1938 im Besitz ihrer Familie war, wird sie skeptisch und ermittelt auf eigene Faust. Doch plötzlich wird sie selbst – als einzige Erbin – verdächtigt. Will die Polizei den Fall aus politischen Gründen herunterspielen? Hatte sich Käthe in Berlin Feinde gemacht? Verlagsinfo 

Maja Schäfer sitzt in der Berliner Wohnung ihrer Freundin Caroline. Sie ist gerade einem Giftanschlag entgangen und lässt die letzten Tage seit ihrer Ankunft in Berlin Revue passieren. 

Hier wollte sie die Formalitäten um die Beerdigung ihrer jüdischen Großtante klären. Die Berliner Kriminalpolizei spricht von Selbstmord aber Käthe Hirsch war eine lebenslustige, charismatische Frau – Maja kommen Zweifel. In den persönlichen Aufzeichnungen der Tante stößt Maja auf seltsame Daten. 

Diese zu entschlüsseln aber auch um ihrer eigenen Familiengeschichte auf die Spur zu kommen, macht sie sich auf den Weg, um den letzten Lebenstagen ihrer Tante nachzuspüren. Dabei trifft sie auf die unterschiedlichsten Menschen und merkt sehr schnell – es ist nicht alles nur schwarz oder weiß. 

Maja kann ehemalige Weggefährten aus den 30er Jahren ihrer Großtante ausfindig machen und stößt auf erschreckende, lange gehütete Geheimnisse.

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Der Kriminalroman  von Christoph Ernst spielt in den frühen 1990er Jahren. Die erste Euphorie der Wiedervereinigung ist längst verpufft. Das Berlin dieser Tage ist immer noch von Großbaustellen, Mauerresten und von dem Bestreben, in der neuen Gesellschaft einen Platz zu finden, geprägt. 

Dabei gibt es Gewinner und Verlierer. Wie weit die dunklen Schatten der Vergangenheit aus zwei Diktaturen reichen, wird in diesem Roman sehr überzeugend aufgezeigt. 

Die Geschichte wird aus Sicht der Nichte Maja erzählt und ist gut und flüssig, doch auch spannend geschrieben. Aber hier hat mich weniger die Kriminalgeschichte sondern die Schilderung der bewegenden Schicksale der Menschen überzeugt. 

Was ist der Einzelne bereit zu tun, um sein eigenes Leben oder das seiner Familie zu retten? Wie werden Opfer zu Tätern gemacht? Und welche Auswirkungen haben solche Schicksale auf nachfolgende Generationen? Das sind nur einige der Fragen, die mich während des Romans beschäftigt haben.

DUNKLE SCHATTEN ist als Taschenbuch (368 Seiten) im Pendragon Verlag für 12,95 Euro erschienen

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