Montag, 1. Oktober 2012

DRIVER 2 - Melancholische Geschichte von unglaublicher Intensität

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

In Hollywoodfilmen schnellt ein Typ, der fast ertrunken wäre, für gewöhnlich aus dem Wasser hoch ins Sonnenlicht und schnappt dabei gierig nach Luft, das ganze Gesicht ein einziger Ausdruck von Erleichterung. Als Driver zum ersten Mal auftauchte, vor sechs oder sieben Jahren, war es genau umgekehrt – sein erster Impuls war, wieder abzutauchen in die Dunkelheit. 

Aber manche Dinge laufen eben nicht so, wie man will. Vor allem, wenn bereits mehrere Leute für eine Tasche mit gestohlenem Geld draufgegangen sind. Erst als die Sache geregelt war, konnte Driver verschwinden und eine andere Identität annehmen. Nur hatte er nicht damit gerechnet, dass ihn die Vergangenheit eines Tages einholen würde. (Verlagsinfo) 

Alles an diesem Buch von James Sallis ist auf das Notwendigste und ein Minimum reduziert, sei es nun die Handlung, die Sprache, die Motivationen der Personen oder die Beschreibungen.

Persönliche Meing: 5***** (von 5 möglichen)

Sallis setzt die Worte sehr klar und sparsam, aber nicht minder treffend ein, und so genügt ihm oft ein Satz, wo andere Autoren seitenweise fabulieren müssen. Kurz, hart, knapp, lakonisch – aber ohne Drumherumgerede.

Gut und böse, Schuld und Unschuld sind nicht eindeutig auszumachen, und warum wer wie handelt, dafür liefert der Autor keine weitschweifenden Erklärungen, darüber muss sich der Leser seine eigenen Gedanken machen. Es ist einfach so – Punkt.

Und genau das verleiht der Geschichte eine unglaubliche Intensität. Sallis baut unterschiedliche Momentaufnahmen zusammen, die sich aber nur auf Äußeres konzentrieren. Seine Figuren reflektieren weder Ereignisse noch Handlungen, und Gefühle sind absolute Mangelware.

Dennoch ist die Grundstimmung des gesamten Buches sehr melancholisch, allerdings ohne jeden Hang zur Sentimentalität.

Die Hauptfigur „Driver“ ist der typische Einzelkämpfer, der „Lonesome Cowboy“, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, der ganz im Hier und Jetzt agiert, ja eigentlich nur reagiert. Auch wenn ihm Killer auf den Fersen sind, die er ohne erkennbare Emotionen im Kampf Mann gegen Mann brutal ins Jenseits befördert, erfahren wir die Gründe nicht.

Fast hat man den Eindruck, als handele er lediglich aus einem Reflex, aus reinem Überlebensinstinkt heraus. Und ich liebe diese prägnanten Sätze des Autors, in denen er die Fragen der Existenz so treffend auf den Punkt bringt: „Wir sind plötzlich am Leben, flitzen herum wie Kakerlaken wenn das Licht angeht, und dann gehen die Lichter wieder aus“. Und wie so oft kann ich hier nur wieder zustimmend nicken und sagen: „Ja, genau so ist es!“

DRIVER 2 ist gebunden (155 Seiten) im Liebeskind Verlag in einer Übersetzung von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt für 16,90 Euro erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.