Freitag, 26. Oktober 2012

DAS MÄDCHEN IM SCHNEE - Nordische, aber nicht unterkühlte sondern mitreißende Story

Krimi-Rezension von Sabine Kettschau

Magdalena Hansson versucht einen Neuanfang, gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn Nils. Doch die Idylle ist trügerisch, denn nicht nur die Unkenrufe ihrer Bekannten, die nicht nachvollziehen können, wieso Magdalena als Journalistin in die für Großstädter so erdrückende Einöde des kleinen Heimatortes von Magdalena zurückgeht, wollen verstummen, es kommt auch noch dazu, dass in der Silvesternacht ein 16jähriges Mädchen spurlos verschwindet. 

Und das wiederum weckt in Magdalena den Journalistenehrgeiz. Sie beginnt zu recherchieren, wühlt in den sprichwörtlichen Kellern der „guten Häuser“ im Ort und macht sich damit mehr Feinde als Freunde und sie muss fast in letzter Sekunde erkennen, dass sie mit ihrem Ehrgeiz nicht nur sich selbst in große, ja tödliche Gefahr bringt, sondern auch Nils, den sie doch eigentlich vor allen Unbilden beschützen will. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Nordischer Stil – wenig unterkühlt! Ich gebe zu, es gibt einige nordische Schriftsteller, die hab ich nach einmaligem Lesen ad acta für mich gelegt. Aber dann gibt es immer wieder Perlen, die mich daran glauben lassen, dass die skandinavischen Schriftsteller doch eine unheimlich tolle Ader zu kriminellen Geschichten haben, ein Talent, mitreißende Geschichten zu schreiben. 

So ging es mir auch hier bei "Das Mädchen im Schnee" von Ninni Schulmann. Neugierig habe ich mich  darauf eingelassen, auf die Geschichte um die Journalistin, die ihr altes Leben nach einer unschönen Scheidung hinter sich lassen will, für sich und ihren Adoptivsohn eine schönere, friedvollere Zukunft aufbauen und dazu in ihren Heimatort geht, ein beschauliches Städtchen, im schwedischen Nirgendwo. 

Wer kann schon ahnen, was sich alles hinter den mühsam aufgebauten Fassaden und Masken verbirgt? Wer glaubt schon daran, dass in dieser gut behüteten Umgebung und Gesellschaft junge Mädchen zu Fall gebracht werden, ja gar ermordet werden? Niemand… Eigentlich… 

Doch der Leser riecht förmlich, dass da weitaus mehr hinter steckt, dass Abgründe sich auftun werden, wo man sie nicht vermutet. Geschickt verpackt in eine doch typische, schwedische Geschichte und doch so packend, dass man sie eigentlich nicht aus der Hand legen mag. 

Genauso ist es mir ergangen. Der Stil von Ninni Schulman verleugnet die Herkunft nicht, es wimmelt von nordischen Namen, Städten und man hat die schwedische Lebensart auf jeder Seite. Doch wer glaubt, alles in den skandinavischen Ländern ist unterkühlt und reizlos, der liegt falsch. 

Man bekommt eine mitreißende Story, die die Abgründe der menschlichen Seele aufs Feinste skizziert und auch noch wunderbarer Weise Spiel lässt für eine weitere Begegnung mit Magdalena. 

Ja, man freut sich schon darauf, sie wiederzulesen, sie weiter zu begleiten und ihr beizustehen im Kampf gegen das Leben als solches und dem Bösen, was unter Garantie schon hinter der nächsten Ecke auf sie wartet! 

Fazit: Dieses Debüt hat es wirklich in sich und man sollte sich wirklich warm anziehen, bevor man sich auf den Weg in den Schnee macht.

DAS MÄDCHEN IM SCHNEE ist als Taschenbuch (464 Seiten) bei Heyne in einer Übersetzung von Susanne Dahmann für 9,99 Euro erschienen.

1 Kommentar:

  1. Echt wahr, man kann es nicht mehr aus der hand legen.

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