Donnerstag, 11. Oktober 2012

DAS BUCH DES TODES - Spannender, blutiger Thriller inspiriert von Poe und Lovecraft

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied des Bakerstreet Chronicle

Monatelang in den skandinavischen Bestsellerlisten zuhause, kommt „Das Buch des Todes“ nun auch zu uns nach Deutschland: 

Efraim Bond, der Konservator am Edgar-Allan-Poe-Museum in Richmond macht die Entdeckung seines Lebens – eine Entdeckung, die ihn vielleicht reich und berühmt machen würde, fiele er nicht vorher einem brutalen Mörder zum Opfer, der den Mann foltert, häutet, enthauptet und drapiert. 

Fast gleichzeitig wird in Trondheim eine Bibliothekarin auf die gleiche Art und Weise ermordet. Und das alles, wie sich herausstellt, bloß wegen eines Buches, dessen wahre Bedeutung er entdeckte: der Bucheinband ist ein Palimpsest aus Menschenhaut, auf dem ein Serienmörder des Mittelalters sein Geständnis niedergeschrieben hatte. 

Man kann wohl einen gewissen Trend beobachten, dass Autoren immer öfter historische Versatzstücke mit Handlungen in der Gegenwart mischen. So auch hier. 

Erzählt wird einerseits die Geschichte des Bettelmönchs, der im Italien des 16. Jahrhunderts zum Serienmörder wird, andererseits die Ermittlungen nach dem Mörder im Amerika und Norwegen der Gegenwart. 

Dadurch entsteht nicht nur ein interessanter Spannungsbogen, sondern es ist auch einfach ein cleverer Schachzug, denn es spricht die Leser von historischen Romanen ebenso an wie die „normalen“ Krimi-Fans. 

Der Titel bezieht sich wohl, wie viele Geschichten zuvor bereits, auf das von H. P. Lovecraft ersonnene „Necronomicon“, das „Buch der toten Namen“, das angeblich in Menschenhaut eingebunden und mit Blut geschrieben sein soll. 

Für alle, die mit der Kunst des Buchbindens nicht so vertraut sind: ein Palimpsest ist ein Pergament, also eine Tierhaut, von der ein Text wieder abgeschabt wurde, um es wieder zu verwenden. Im Mittelalter wurden damit dann häufig Bücher eingebunden, doch mit heutigen Verfahren ist es möglich, den alten Text wieder sichtbar zu machen. 

Dies wird lobenswerterweise auch im Buch erklärt, so dass man nicht zuerst Lexika wälzen muss, um zu verstehen, worum es überhaupt geht und wie das Geständnis des mittelalterlichen Mörders entdeckt wird. 

Persönliche Meinung: 
(4,5 Sterne von 5 möglichen)

Ob man die etwas melancholische, gleichzeitig aber direkte und schnörkellose Art skandinavischer Autoren mag oder nicht, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Klar ist jedoch, dass die Geschichte sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart sehr spannend erzählt ist und dass man, einmal mit dem Lesen begonnen, das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde. 

Es sei aber gesagt, dass „Das Buch des Todes“ nichts für Zartbesaitete ist. Es ist brutal, blutig und bizarr. Und nicht umsonst finden sich in der Geschichte immer wieder Anspielungen auf Edgar Allan Poe, den Meister des Horrors persönlich. 

Der 1968 geborene Jørgen Brekke lebt selbst mit seiner Familie in Trondheim. Er arbeitete als freier Journalist, Lektor und Literaturkritiker, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte und mit dem „Buch des Todes“ 2011 seinen ersten Roman veröffentlichte. Sein zweites Buch erschien bereits in Norwegen und hat einen ganz ähnlichen Aufbau aus Historie und Gegenwart.

DAS BUCH DES TODES ist als Taschenbuch (448 Seiten) bei Heyne in einer Übersetzung von Günther Frauenlob  für 12,99 Euro erschienen.

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