Freitag, 7. September 2012

DIE UNZERTRENNLICHEN - Viele Klischees und keine Überraschungen

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Auf der Insel Procida vor Neapel verschwindet eine junge Frau namens Regina, und in der Südsteiermark fährt während des Begräbnisses des ewigen Hippies Caspar Fux der Blitz mitten durch die Trauergemeinde. Die Rechtsmedizinerin Sissi, Caspars Tochter, kannte die Vermisste aus ihrer Studentenzeit sehr gut. 

Zögernd beginnt sie, nach den Umständen von Reginas Verschwinden zu fragen, doch je mehr sie darüber erfährt, desto merkwürdiger erscheinen sie ihr. Sie beschließt, selbst nach Italien zu reisen.  (Verlags-Info)

Lilian Faschingers Protagonistin Sissi Fux ist in einem Dorf in der Steiermark aufgewachsen. Der provinziellen Enge entflohen, arbeitet sie mittlerweile als Gerichtsmedizinerin in Wien und kehrt nur dann in ihre alte Heimat zurück, wenn es einen konkreten Anlass gibt, so wie den Tod bzw. die Beerdigung und das Erbe ihres Vaters, die alte Mühle.

Bei einem ihrer Aufenthalte trifft sie einen alten Bekannten, den Mediziner Stefan König, wieder. Dieser war mit einer von Sissis Studienfreundinnen verheiratet, die bei einem Italienurlaub offenbar vom Meer verschlungen wurde und nie wieder auftauchte.

Sissi beginnt eine Affäre mit Stefan und begibt sich auf Reginas Spuren, um die Hintergründe ihres Todes aufzudecken…

Beim Lesen dieses Buches habe ich mich immer wieder gefragt, ob die Autorin eine Parodie auf das Landleben in den fünfziger Jahren geschrieben hat, denn die Attribute, die sie ihren Figuren zuschreibt, kommen doch reichlich verstaubt und klischeehaft daher: Opa ist rechtsradikal und Oma bigott, die Dörfler sind engstirnig, fremdenfeindlich und boshaft.

Es mag Leser geben, denen diese Charakterisierungen gefallen, die offensichtlich von eigenem Erleben der Autorin geprägt sind, bitterböse und „scharf“ im Ton – mir waren sie zu eindimensional.

Außerdem fällt auf, dass die Autorin bei ihren Personen- und Ortsbeschreibungen Adjektive in geradezu inflationärer Anzahl verwendet. Das ist störend und absolut überflüssig, denn sie überfrachtet damit gnadenlos ihren Plot. Traut sie denn ihren Lesern nicht zu, dass sie auch leise Töne und Andeutungen verstehen?

Natürlich muss die Protagonistin diesen Kokon der scheinbaren Wohlanständigkeit verlassen und in die Stadt ziehen, und natürlich bekommt sie nach ihrer Rückkehr den von allen angehimmelten Arzt. Und wen wundert es, dass nicht alles so ist, wie es scheint?

So wird aus einer eher „klassischen“ Konstellation (dazu beachte man auch die „sprechenden“ Namen der Hauptfiguren – Regina, Sissi und Stefan) eine schnell durchschaubare Geschichte, sind die Hinweise doch gar zu offensichtlich gestreut.

Lilian Faschinger kann schreiben, und das macht sie auch sehr routiniert, aber wenn sie etwas weniger dick aufgetragen hätte, wäre die Geschichte für mich mit Sicherheit länger interessant geblieben. Aber so weiß jeder geübte Leser bereits nach kürzester Zeit, welche Richtung die Handlung nehmen wird, und das trübt, zusammen mit den bereits genannten Punkten, das Lesevergnügen doch ungemein.

Was sagte eine Freundin, mit der ich über das Buch gesprochen habe? „Du hast dich schwergetan, weil es dir die Autorin zu leicht gemacht hat.“ Und damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

DIE UNZERTRENNLICHEN ist gebunden (320 Seiten) im Zsolnay Verlag für 19,90 Euro erschienen

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