Mittwoch, 5. September 2012

DIE MÄDCHENWIESE - Düsterer Thriller, der den Leser nicht schont

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Die alte Frau sieht alles kommen. Sie findet die toten Mädchen. Sie kennt ihren Mörder. Aber sie wird schweigen. Der kleine Junge bangt um seine verschwundene Schwester, denn er hat etwas gesehen. 

Er will reden, doch niemand hört ihm zu. Seit Alex Lindner vor Jahren seinen Dienst als Kommissar quittiert hat, lebt er zurückgezogen in der Provinz. auch hier ein Mädchen verschwindet, weiß er: Der Mann, den er damals vergeblich jagte, ist zurück. Diesmal muss er ihn fangen, denn der Blutzoll wird steigen. (Verlagsinfo) 

Martin Krist (Pseudonym von Marcel Feige) hat einen düsteren Thriller geschrieben, der den Leser nicht schont und sich aus zwei unterschiedlichen Handlungsverläufen bzw. Erzählebenen zusammensetzt. 

Zum einen sind da die Erzählungen der alten Berta Kirchberger, eine Lebensgeschichte beherrscht von Missbrauch und Gewalt. Zum anderen der aktuelle Fall der sechzehnjährigen Lisa, die nach einem Wochenendausflug nach Berlin nicht wieder nach Hause kommt, und deren Verschwinden den kleinen Ort im Spreewald in helle Aufregung versetzt.

Und bei Alex Lindner, dem Wirt der Dorfkneipe und ehemaligen Polizisten, schrillen die Alarmglocken, denn das Szenario erinnert ihn an den Mordfall, der dafür verantwortlich ist, dass er seinen Beruf an den Nagel gehängt hat. 

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Krist beginnt verhalten, aber wirft den Leser dann plötzlich hinein ins Geschehen und hält den Spannungsbogen konsequent das gesamte Buch über auf hohem Niveau. 

Dies erreicht er durch relativ kurze Kapitel mit ständigem Wechsel der Erzählperspektive und Cliffhangern am Ende der Abschnitte, was natürlich das Tempo forciert und den Leser bei der Stange hält, will er doch wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und sich der Fall schlussendlich auflösen wird. 

Das ist durchaus gelungen und macht den Thriller zu einem Pageturner. Punktabzug gibt es jedoch für den nervenden kleinen Bruder, den unsensiblen Umgang im Verhalten der Personen untereinander, aber vor allem für eine Ungereimtheit in der Täter-/Opferbeziehung, die dem Lektorat eigentlich hätte auffallen müssen. 

Alles in allem jedoch trotz dieser Einschränkungen eine spannende, wenngleich auch so manches Mal wegen des Themas kaum zu ertragende Lektüre.

DIE MÄDCHENWIESE ist als Taschenbuch (416 Seiten) bei Ullstein für 9,99 Euro erschienen.

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