Samstag, 22. September 2012

BLUTIGE FEHDE - Stark, intensiv und facettenreich, voller Gewalt und sehr düster

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Ein Killer, der sich selbst „der Nomade“ nennt, streift durch die Straßen von Belfast. Alte Rechnungen sind zu begleichen, die Bull O’Kane, gewissermaßen der Pate der Stadt, ausgestellt hat. Die alten Konflikte zwischen Loyalisten, Republikanern und der Polizei drohen wieder auszubrechen. Mitten hinein in diese explosive Lage gerät der Police Inspector Jack Lennon, als er herausfindet, dass seine ehemalige Frau Marie und seine Tochter Ellen genau in der Schusslinie stehen. 

Sie sind der Köder, um den IRA-Killer Gerry Fegan, der in New York untergetaucht ist, wieder nach Belfast zu locken. Als Jack von Gerrys Rückkehr erfährt, beschließt er, alles zu tun, um seine Tochter zu retten. (Verlagsinfo) 

Die Geschichte lebt von der Beziehung zwischen Police Inspector Jack Lennon, Katholik in einem protestantischen Polizeirevier und Gerry Fegan, dem ehemaligen IRA-Attentäter, der mit den Gespenstern seiner Vergangenheit kämpft, verbunden in einer Allianz und geeint in dem Bestreben, Marie und Ellen zu beschützen, wenngleich auch aus unterschiedlicher Motivation. 

Stuart Neville schreibt eindrucksvoll und macht den Leser mit Menschen bekannt, die ihre persönliche Geschichte nicht einfach abstreifen können. 

Gleichwohl zeichnet er aber auch das Porträt eines Landes, das mit seiner blutigen Historie ringt und führt uns sehr anschaulich die unheilvollen Verbindungen zwischen Politikern, Kriminellen und britischen Behörden in Nordirland sowie die daraus resultierende Korruption vor Augen. 

Persönliche Meinung. 5***** (von 5 möglichen)

Ein starkes, intensives Buch, voller Gewalt und sehr düster, mit vielen Facetten und tiefen Einblicken in ein verwundetes Land, das über einen sehr langen Zeitraum von Gewalt beherrscht wurde, und wo das friedliche Miteinander noch immer sehr fragil ist. 

Damit man aber die Personen und ihre Handlungen richtig einordnen und verstehen kann, ist es meiner Meinung nach in diesem Fall notwendig, den Vorgänger gelesen zu haben. In „Blutige Fehde“ schreibt der nordirische Autor die Ereignisse aus dem Vorgänger „Die Schatten von Belfast“ fort. 

Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Die Hauptfiguren und ihre Motivationen werden „runder“, ihr Handeln nachvollziehbarer und verständlicher. Und es scheint so, als ob Stuart Neville hier bereits den Weg für einen dritten Teil bereiten würde.

BLUTIGE FEHDE ist gebunden (400 Seiten) bei Rütten & Loening in einer Übersetzung von Armin Gontermann für 16,99 Euro erschienen.

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