Montag, 3. September 2012

ACCRA - Morde an ghanaischen Straßenkindern ohne Schockeffekte in Szene gesetzt

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

"Sodom und Gomorra" - so nennen die Einwohner von Accra jenes Viertel der ghanaischen Hauptstadt, das nur die Menschen betreten, denen keine andere Wahl bleibt. Denn wer Sodom betritt, setzt sein Leben aufs Spiel: Der giftige schwarze Rauch von Ghanas größter Mülldeponie ist hier genauso allgegenwärtig wie Armut und Gewalt. 

Dass in dieser Umgebung ein Mord geschieht, ist für Inspector Darko Dawson daher wenig überraschend. Was den Polizisten allerdings entsetzt, sind die Umstände des Verbrechens: Das Opfer ist ein Straßenjunge - und ihm wurden sämtliche Finger abgeschnitten. 

Als wenig später ein weiterer Teenager ermordet und verstümmelt wird, ist sich Dawson sicher: Ein Ritualmörder macht Jagd auf Accras Straßenkinder, ein Killer, dessen Intelligenz nur von seiner Heimtücke übertroffen wird. Und das muss Dawson bald am eigenen Leib erfahren ... (Verlags-Info)

Kwei Quartey kennt die ghanaische Hauptstadt Accra, die Handlungsort des zweiten Teils der Darko Dawson-Reihe (der erste Band "Trokosi" erschien 2009) ist, aus eigenem Erleben, denn dort ist er aufgewachsen. Allerdings mit Sicherheit nicht in den Slums, sondern eher in einem der wohlhabenderen Viertel, denn mittlerweile lebt und praktiziert Quartey als Arzt in Kalifornien. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

In "Accra" erzählt der Autor nicht nur eine spannende Geschichte, sondern schildert sehr beeindruckend und teilweise mit drastischen Beschreibungen die Zustände in den Elendsvierteln und die Lebensumstände der ghanaischen Straßenkinder, die unter absolut menschenunwürdigen Bedingungen auf Müllkippen hausen, wertlos, ohne Schutz und ihrer Kindheit beraubt ums Überleben kämpfen. 

Und ausgerechnet unter diesen Ärmsten der Armen geht ein Mörder auf die Jagd und sucht sich seine Opfer. Dieses Szenario ist keine bloße Erfindung und nicht besonders weit hergeholt, denn ähnliche Mordserien gab es vor einigen Jahren in den Favelas der lateinamerikanischen Großstädte. 

Quartey schreibt nicht reißerisch, setzt nicht auf Schockeffekte, sondern bevorzugt eher die leiseren Töne und gerade deshalb wirken seine Schilderungen umso eindringlicher auf den Leser. Er leiht den afrikanischen Straßenkindern seine Stimme und sensibilisiert so hoffentlich den einen oder anderen Leser für das Schicksal derjenigen, die am Rande der Gesellschaft leben und keine Lobby haben.

ACCRA ist als Taschenbuch (336 Seiten) bei Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Sabine Schilasky für 16,95 Euro erschienen.

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