Montag, 13. August 2012

ÖFFNE DIE AUGEN - Die manipulative Macht von Bildern

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Lucie Henebelle, Ermittlerin bei der Kriminalpolizei in Lille, erhält eines Nachts einen mysteriösen Anruf eines Freundes: Er ist voller Panik, denn der leidenschaftliche Filmsammler hatte einen alten Streifen betrachtet – und ist nun vollständig erblindet. Als Lucie den Film selbst in Augenschein nimmt, stößt sie auf verstörende Bilder, deren Botschaft sie nicht entschlüsseln kann. 

Sie bittet Claude Poignet, einen Restaurator alter Filme, um Hilfe – doch der wird wenig später ermordet aufgefunden. Etwa zur gleichen Zeit trifft Kommissar Sharko am Schauplatz eines grausigen Leichenfundes ein: Fünf Männer sind am Ufer der Seine entdeckt worden, ihnen allen wurde das Gehirn entnommen. Lucie und Sharko ermitteln, und schnell wird klar, dass es einen diabolischen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt. (Verlagsinfo) 

Frank Thilliez führt in seinem neuen Thriller "Öffne die Augen" zwei Hauptfiguren zusammen, die wir bereits aus seinen anderen Büchern kennen: Lucie hat in "Die Kammer der toten Kinder" ermittelt und den Profiler Sharko kennen wir aus "Sündentod" und "Der rote Engel" – zusammen ergeben diese beiden Persönlichkeiten eine sehr interessante Kombination, hat sie der Autor doch mit jeder Menge "emotionalem Gepäck" ausgestattet. 

Allerdings überlagert dies zu keinem Zeitpunkt den außergewöhnlich spannenden und thematisch höchst interessanten Plot, der sich intensiv mit (pseudo)wissenschaftlichen Experimenten der Neurobiologie sowie der manipulativen Macht der Bilder auseinandersetzt. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Der Autor wird gerne mit seinem Landsmann Jean Christophe Grangé verglichen – zu Recht, wie das neue Buch beweist. Wie Grangé gibt er sich nicht mit der "simplen" Variante von Mord und Todschlag zufrieden, sondern konstruiert eine intelligente, faktenreiche Geschichte ohne Längen, die auch durch die unterschiedlichen Schauplätze der Verbrechen deutlich gewinnt und temporeich daherkommt: Frankreich, Belgien, Kairo und Kanada, dort wird gemordet und ermittelt. 

Glücklicherweise verzichtet Thilliez auf Mystery-Aspekte, sondern hält sich an die eher wissenschaftlichen Fakten . Auch wenn manche Schlussfolgerungen, zu denen Lucie und Sharko gelangen, wohl eher in den Bereich der Verschwörungstheorien gehören – ganz so abwegig erscheinen sie dann doch nicht, denn gerade die Manipulationen durch unbewusste Wahrnehmungen wurden ja bereits in den unterschiedlichsten Formaten eingesetzt und getestet z.B. in der kommerziellen Werbung oder in Wahlkampf-Spots. Das erscheint dann schon etwas beängstigend, wenn man sieht, was sich daraus entwickeln könnte.

ÖFFNE DIE AUGEN ist gebunden (480 Seiten) bei Goldmann in einer Übersetzung von Eliane Hagedorn und Bettina Runge für 17,99 Euro erschienen.

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