Samstag, 14. Juli 2012

DIE SISTERS BROTHERS - Vergnügliche Lesestunden, wenn man die Anspielungen erkennt

Krimi-Rezension Elke Heid-Paulus

Hermann Kermit Warm wird sterben. Sein Tod wurde von dem geheimnisvollen und mächtigen Kommodore befohlen, und die Brüder Charlie und Eli Sisters werden den Auftrag ausführen. Die beiden machen sich auf den Weg von Oregon nach Kalifornien, wo sie Warm aufspüren sollen. (Verlagsinfo) 

Diese Ausgangssituation lässt vermuten, dass es sich bei der Geschichte des kanadischen Autors Pattrick de Witt a) um einen Western handelt. Schaut man sich dazu dann noch das Cover an, liegt die Vermutung nahe, dass "Die Sisters Brothers" b) eine sehr gelungene Western-Parodie ist, denn wie könnte man es sich sonst erklären, dass dieses Buch 2011 auf der Shortlist für den renommierten Man Booker Prize sowie auf vier weiteren Nominierungslisten für Literaturpreise zu finden war und schlussendlich zwei der fünf ausgelobten Preise gewonnen hat. Weit gefehlt, aber schauen wir einmal genauer hin… 

Das Buch spielt Mitte des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen, also der Zeit des kalifornischen Goldrauschs. Charlie und Eli Sisters sind gedungene Killer, die von ihrem Auftraggeber, dem "Kommodore", auf Hermann Kermit Warm angesetzt worden sind, weil er diesen bestohlen hat. Um Warm zu töten, dafür bezahlt zu werden und dann den nächsten Auftrag anzunehmen, begeben sich die Brüder auf ihren Roadtrip durch den Wilden Westen. 

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen) 

DeWitt lässt Eli die Geschichte erzählen. Während der ältere Bruder Charlie lediglich ein skrupelloser Killer ist, der zudem gerne und häufig dem Alkohol zuspricht, ist die Figur Elis wesentlich facettenreicher angelegt. Er ist sympathisch, warmherzig und mitfühlend, macht sich Gedanken über Gott und die Welt, mag nicht mehr für Geld töten und will aussteigen. 

Während ihrer Reise treffen die beiden Brüder auf die unterschiedlichsten Charaktere: besessene Goldsucher, Outlaws in allen Schattierungen, blinde Bettler, verarmte Adlige, verrückte Erfinder und Huren, die Ladies sind – ein buntes Sammelsurium von einzigartigen Typen. 

Das sind eigentlich nur Schnipsel und Momentaufnahmen und sie haben keine Relevanz für den Fortgang der Handlung, aber sie nehmen doch Einfluss auf das persönliche Wachstum Elis. 

Dennoch lassen sich hier die literarische Vorbilder erkennen, denn ähnliche Muster findet man bereits in Homers "Odyssee", des Weiteren sind auch Elemente aus Cormac McCarthys "Die Abendröte im Westen", „Don Quijote“ von Miguel de Servantes sowie Pete Dexters "Deadwood" zu finden. Aber es gibt auch Reminiszensen an diverse Filme, als da wären "O Brother, Where Art Thou" und "True Grit" von Joel und Ethan Coen, oder auch "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino. 

Das Motto dieses Buches lässt sich meiner Meinung nach in einem Satz zusammenfassen: Der Weg ist das Ziel. Alles in allem sehr facettenreich und weit mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Und wer die „The Sisters Brothers“ lesend auf ihrem Weg begleitet, wird mit vergnüglichen Lesestunden belohnt! 

DIE SISTERS BROTHERS ist gebunden (352 Seiten) bei Manhattan in einer Übersetzung von Marcus Ingendaay für 17,99 Euro erschienen.

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