Montag, 4. Juni 2012

TÖDLICHER STAUB - Tatsachen-Thriller von Massimo Carlotto, pointiert & informativ

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Pierre Nazarri wird als Deserteur von der Militärpolizei gesucht. Er ist erpressbar und muss die Drecksarbeit für eine dubiose, paramilitärische Organisation machen, die ihn auf die junge Tierärztin Nina angesetzt hat. 

Die Nachforschungen, die die junge Frau im Zusammenhang mit einer Reihe mysteriöser Erkrankungen und Missbildungen bei Schafen und Ziegen macht, scheinen ein paar einflussreichen Persönlichkeiten zu weit zu gehen. (Verlags-Info)

Der Autor Massimo Carlotto ist ein Schriftsteller mit einer außergewöhnlichen Vita: Mitglied bei Lotta Continua, einer linksradikalen Vereinigung, Verhaftung und Verurteilung wegen Mord, 5 Jahre auf der Flucht, 11 Prozesse, 6 Jahre im Gefängnis, dann Aufhebung des Urteils und Begnadigung (nachzulesen bei Wikipedia). Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis kehrte er dem italienischen Festland den Rücken und lebt seither auf Sardinien. (siehe auch "Der Flüchtling" von Massimo Carlotto)

Immer mit großem Interesse an politischen Themen, lässt er sich bis heute nicht mundtot machen und nutzt seine Bekanntheit, auch über die Grenzen Italiens hinaus, die Dinge beim Namen zu nennen und auf Missstände hinzuweisen. So liegen auch seinem neuesten Politthriller wahre Begebenheiten zugrunde.

Seit Jahren häufen sich rund um das sardische Sperrgebiet Salto di Quirra Krebserkrankungen sowie Missbildungen, die offensichtlich ihre Ursache in den freigesetzten Nanopartikeln der dort getesteten Uranmunition haben. Gemeinsam mit „Mama Sabot“, einer Gruppe Journalisten, hat Carlotto deshalb Nachforschungen angestellt und die Ergebnisse in „Tödlicher Staub“ literarisch verarbeitet.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Carlotto schreibt pointiert, knapp aber doch informativ - in hard-boiled Manier eben. Und es gibt in diesem spannenden Tatsachenthriller keine Guten, denn alle, die die an diesen Schweinerein verdienen können, haben Dreck am Stecken. Ob Militär, Politiker, Polizei und natürlich auch die Mafia – jeder hat die Finger darin und die Geldbörse weit offen.

Weil man als Leser weiß, dass der Autor sich die Inhalte seines Buches nicht ausgedacht hat, läuft einem beim Lesen doch das eine oder andere Mal ein Schauer über den Rücken. Möchte jetzt wirklich noch jemand Urlaub an der Costa Smeralda machen? Ich mit Sicherheit nicht!

TÖDLICHER STAUB ist als broschiert (159 Seiten) im Verlag Tropen bei Klett Cotta in einer Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel für 14,95 Euro erschienen.

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