Mittwoch, 27. Juni 2012

TOD AUF SCHLOSS BREMONT - Für Liebhaber französischer Lebensart, weniger für Krimi-Fans

Krimi-Rezension von Inge Blomenkamp

Tod in der Provence Etienne de Bremont, ein bekannter Dokumentarfilmer, stürzt nachts aus dem Dachfenster des unbewohnten Familienschlosses in der Nähe von Aix-en-Provence in den Tod. War es ein Unfall, ein Selbstmord oder gar Mord? Schnell gerät François de Bremont, der tief verschuldete Bruder des Toten, in Verdacht.

Der junge und charismatische Untersuchungsrichter Antoine Verlaque, der in dem Fall ermittelt, bittet seine Ex-Geliebte, die Juraprofessorin Marine, um ihre Unterstützung, denn sie kennt die Familie Bremont seit ihrer Kindheit. Marine hilft Antoine jedoch nur ungern, denn noch immer hat sie Schmetterlinge im Bauch, wenn sie ihm begegnet. Der charmante, kurzweilige Auftakt einer Krimiserie, die auf jeder Seite den Süden Frankreichs, seine Sonne und seine berauschenden Düfte lebendig werden lässt. (Verlags-Info)

Mary Louise Longworth, 1963 in Toronto geboren, studierte Kunst und Kunstgeschichte in Kanada und Kalifornien. Seit 1997 lebt und arbeitet sie in Frankreich. Ihre Leidenschaft sind die schönen Dinge des Lebens, die Liebe zum Reisen, Literatur, lokale Geschichte, Architektur und die Gastronomie. Sie schreibt regelmäßig für das Magazin „Bon Appétit“. Neben dem Schreiben über ihre Passionen ist Mary Lou eine versierte Küchenchefin.

Longworth lebt seit 1997 mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Aix-en-Provence. Sie teilt ihre Zeit zwischen Aix-en-Provence, wo sie schreibt, und Paris, wo sie an der New York University das Schreiben lehrt. „Tod auf Schloss Bremont“ ist ihr erster Roman.

Dieser kurze Lebenslauf deutet schon die Stärken des vorliegenden Kriminalromans an. Es ist ein Südfrankreich-Krimi, mit mediterranen Landschaften, malerischen Weingütern, köstlichem Essen, Sonne, Meer und warmen Mittelmeer-Klima. Detailgetreu schildert Longworth ihre jetzige Heimat Aix-en-Provence und deren Umgebung. Der Lavendel duftet, Zikaden zirpen, Südfrankreich als grandiose Kulisse für eine Mordermittlung.

Doch genau hier beginnen auch die Schwächen des Buches. Der Autorin gelingt es leider nicht, echte Spannung aufzubauen. Die Landschaftsbeschreibungen sind lebendig, die Ermittlungen des Untersuchungsrichters Antoine Verlaque und seiner Ex-Geliebten, der Jura-Professorin Marine Bonnet leider nicht. Die Personen wirken eher blass und nicht immer authentisch. Als Leser fiebert man nicht wirklich mit, bleibt eher distanziert.

Die Geschichte ist komplex, mit vielen Nebenschauplätzen, die der Handlung aber eher den Schwung nehmen. Die Autorin verliert sich in immer neuen Details. Manches ist unglaubwürdig und das Ende nicht wirklich überraschend. Ärgerlich wird es gar, wenn zur Aufklärung des Falles nicht nachvollziehbare Geistesblitze der Ermittler beitragen (müssen).

All zu häufig hat man auch den Eindruck, Recherche sei Glückssache: Eine Plauderei beim Jeanskauf mit dem homosexuellen Boutique-Besitzer (Klischee) - und Marine erhält wichtige Hinweise zur Klärung des Verbrechens. Das gleiche Muster beim privaten Besuch eines Weingutes. Der Besitzer liefert, wieder ganz zufällig, bedeutende Informationen zu verdächtigen Personen.

„Tod auf Schloss Bremont“ vermittelt teilweise den Eindruck als hätte die Autorin ihren Krimi wie ein Kochrezept angelegt. Die Zutaten: ein spannungsgeladenes Ermittlerduo, eine Prise Adel, etwas Sex, Korruption, die Russenmafia, garniert mit einigen Klischees - weniger wäre wahrscheinlich mehr gewesen. Aber gute Zutaten und ein paar exotische Gewürze allein reichen nicht. Die Kunst liegt in der raffinierten Zubereitung - diese vermisst man leider im vorliegenden Fall.

Persönliche Meinung: 3 *** (von 5 möglichen)

Die Bewertung setzt sich für diesen Krimi aus zwei Komponenten zusammen. Der Kriminalfall mit seinen Ermittlungen erhält 2,5 Sterne. Als Regionalkrimi, mit atmosphärischen Schilderungen der Provence, die Lust aufs Reisen machen, gibt es noch einen halben Zusatzstern.

„Tod auf Schloss Bremont“ ist eher ein Krimi für Liebhaber französischer Lebensart - weniger für Spürnasen oder Gänsehautfreunde. Als Provence-Urlaubslektüre für Zwischendurch aber dennoch geeignet.

TOD AUF SCHLOSS BREMONT ist als Taschenbuch (336 Seiten) bei atb (Aufbau) in einer Übersetzung von Helmut Ettinger für 9,99 Euro erschienen.

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