Montag, 25. Juni 2012

REICHES ERBE - In 20 Jahren haben sich auch Brunetti und Venedig (ein wenig) verändert

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus
Brunettis 20. Fall

Herzversagen - das diagnostiziert der penible Pathologe Rizzardi beim Tod von Signora Altavilla. Kein Fall für Brunetti mithin? Der Commissario traut dem Frieden nicht. Wer sucht, der findet ...

Costanza Altavilla war für Anna Maria Giusti immer die gute Seele, die in ihrer Abwesenheit die Post aus dem Briefkasten nahm. Doch dieses Mal findet sie ihre Nachbarin tot in der Wohnung vor - mit Schürfwunden an Hals und Schultern. Ist die alte Dame nur gestürzt, oder hat jemand nachgeholfen? Während Vice-Questore Giuseppe Patta die Geschichte verharmlost und zu den Akten legen will, vertraut Brunetti auf seinen Instinkt - und gelangt zu tieferen Wahrheiten als jenen, die beweisbar sind. Mit ungewöhnlichen Mitteln macht Brunetti sich stark für die Alten und Schwachen. (Verlags-Info)

Eine alte Dame wird von ihrer Nachbarin nach deren Kurzurlaub tot aufgefunden. Brunetti glaubt nicht an einen natürlichen Tod und beginnt mit den Ermittlungen, wie immer tatkräftig unterstützt von seinem Partner Vianello und Signorina Elettra, der Sekretärin des Vice Questore Patta, ohne deren Verbindungen und IT-Kenntnisse Brunetti bisweilen verloren wäre.

Bei seinen Recherchen findet der Commissario nach und nach heraus, dass es in dem vorliegenden Fall um Gewalt gegen Frauen, Kunstdiebstahl und ein gefälschtes Testament geht – und um eine große Liebe, die ursächlich damit zusammenhängt.

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Die Krimis von Donna Leon haben immer zwei Hauptfiguren, den sympathischen Brunetti und Venedig.

Im Laufe der mittlerweile 20 Bände umfassenden Serie haben sich beide verändert: Klar, der Commissario ist älter geworden, reifer und weiser, und lange nicht mehr so zynisch wie in den ersten Bänden der Reihe.

Aber auch an seiner Stadt sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen, sehr deutlich zu sehen an der Zusammensetzung der Einwohner, denn die Anzahl der chinesischen Geschäftsleute ist in dem Maße gestiegen, in dem sich die Venezianer von dort zurückgezogen haben.

Wie immer entwickelt sich die Geschichte um Signora Altavilla langsam und bedächtig, flankiert von den reflektierenden Gesprächen, die Brunetti mit Vianello über Gott und die Welt und das Leben und die Liebe führt.

Gefehlt haben mir in „Reiches Erbe“ sowohl die geistreichen Konversationen und Spiegelfechtereien des Commissario mit seiner Frau Paola als auch die dazugehörigen Schilderungen der gemeinsamen Mahlzeiten mit der ganzen Familie Brunetti.

Aber das war zu verschmerzen, denn gut unterhalten hat mich dieser Venedig-Krimi allemal und ich werde weiterhin gespannt jedes Jahr auf den nächsten Band der Reihe warten.

REICHES ERBE ist gebunden (316 Seiten) im Diogenes Verlag in einer Übersetzung von Werner Schmitz für 22,90 Euro erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.