Donnerstag, 28. Juni 2012

HARLEKIN STICHT - Für Genießer schöner Sätze und nichts für nebenbei

Krimi-Rezension Petra Querfurth

Ein Serienmörder zieht seine Spuren durch Madrid. Auf den leblosen Körpern seiner Opfer hinterlässt er statt einer Visiten- eine Spielkarte den Joker, der den zunehmend ratlosen Ermittlern des Polizeikommissariats Madrid-Zentrum höhnisch entgegenzugrinsen scheint. Da es aber immerhin um Spielkarten geht, fällt den überforderten Polizisten ein, sich an den spielsüchtigen Detektiv Julio Cabria zu wenden, der beim Pokern wie auch auf der Straße schon so manches Mal mit einem blauen Auge davongekommen ist.
Doch obwohl er sich bestens auskennt in dieser Welt aus illegalen Spielhöllen, sieht sich Cabria mit einer neuerlichen Pechsträhne in seiner ohnehin schon arg gebeutelten Biografie konfrontiert je mehr er in diesem teuflisch verwickelten Fall die Fäden zu entflechten versucht, desto enger scheinen sie sich um seinen eigenen Hals zu wickeln. (Verlags-Info)

Der Kriminalroman "Harlekin sticht" ist der 2. Band einer Trilogie. Obwohl in diesem Krimi einige Male auf Geschehnisse aus dem 1. Band verwiesen wird, ist auch dieser ohne Vorkenntnisse gut zu verstehen.

Der Detektiv Julio Cabria ist eine verkrachte Existenz. Nicht nur seine Liebe zu illegalen Kartenspielen, sondern auch der Hang zum Alkohol werden ihm des öfteren zum Verhängnis. Von Ehefrau und Tochter verlassen, dümpelt er in einer verdreckten Wohnung – hier frönt er seinen Vorlieben für französische Chansons und spanischer Lyrik – vor sich hin.

Óskar Urra läßt seinen Detektiv wieder in Madrid ermitteln. Dort sieht dieser sich nicht nur mit zwielichtigen Gestalten des Madrider Milieus, sondern auch mit zwei brutalen Kommissaren der Polizei konfrontiert. Die an den Tatorten hinterlassenen Spielkarten deuten auf ein Milieu, in dem Julio Cabria sich bestens auskennt aber auch andere Spuren scheinen denkbar. Cabria wendet sich an seinen Bruder, dieser ist Priester und soll nun Nachforschungen in seinem Orden anstellen.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Der spanische Autor Óskar Urra erzählt eine komische, düstere und manchmal skurrile Kriminalgeschichte.

Sprachlich virtuos erzählt Urra seine Geschichte mit einigen Wendungen und einem auch für den Detektiv Julio Cabria schockierenden Ende, bei dem der Ermittler einmal mehr vom Schicksal gebeutelt wird.

"Harlekin sticht" ist kein Krimi, den man einfach so nebenbei lesen kann. Es verlangt schon etwas Aufmerksamkeit, um den Beschreibungen von Óskar Urra folgen zu können. Hat der Leser sich an den Rhythmus des Buches gewöhnt, ist es ein Genuss.

Hier ein Beispiel:
Einmal mehr war die Familie der Freunde der Filmkunst damit beschäftigt, sich selbst zu beobachten, voll sehnsüchtiger Erinnerungen an vergangene Tage unbeschwerter Raucherfreuden und in dem gelassenen Wissen, das, wie mans dreht und wendet, weder ihr Reich noch dessen Genüsse von dieser Welt sind.

HARLEKIN STICHT ist broschiert im Unions Verlag (280Seiten) in einer Übersetzung von Peter Kultzen für 16,90 Euro erschienen.

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