Dienstag, 12. Juni 2012

DIE TOTEN MÄDCHEN VOM CILENTO - Haben alle Kinder-Morde die gleiche Wertigkeit?

Krimi-Rezension von Nora

September in Pioppica, die abreisenden Sommerfrischler nehmen die Ausgelassenheit des Strandlebens mit sich fort. Nur ein kleiner Wanderzirkus verweilt noch ein paar Tage in dem verwaisten Örtchen. Da wird ein Mädchen tot in der Nähe des Zirkus aufgefunden, kurz darauf ein weiteres. 

Die Zahl der möglichen Verdächtigen ist unüberschaubar, und während Maresciallo Santomauro und seine treuen Brigadieri Manfredi und Gnarra sich verzweifelt im Kreis drehen, machen sich die aufgebrachten Dorfbewohner ihren eigenen Reim: Wer nicht gleich die Schausteller oder den Dorfdeppen Minuccio verurteil, erzählt hinter vorgehaltener Hand die uralte Legende der Gevatterin Perna, welche Kinder raubt, um sie ihrem nimmersatten Sohn Mao zu fressen zu geben. (Verlags-Info)

Diana Lama, geboren 1960 in Neapel, veröffentlichte mit „Die toten Mädchen von Cilento“ ihren zweiten Roman aus der Santomauro-Reihe. 

Der Roman spielt in der italiensichen Region Cilento, welche die Autorin mit wunderschönen Worten zu beschreiben weiß. Das Dorf Pioppica, ein zweigeteilter Ort: der untere Ortsteil liegt am Meer, der obere in den Bergen, dazwischen halsbrecherische Serpentinen. Die Gemeinde ist ebenso gespalten wie der Ort selbst, die Landschaft hat so manche Unwegsamkeit, was es den Ermittlern nicht immer leicht macht.

Leicht macht es Diana Lama auch dem Leser nicht.

So sehr ich die Geschichte um das Dorf Pioppica und den Wanderzirkus auch mochte, ich bekam schon frühzeitig Probleme beim Erfassen der Geschichte. Grund dafür sind die sehr vielen Charaktere gewesen, welche mal mit Vornamen, ein anderes mal mit Familiennamen, auch mal mit Spitznamen und dann wieder mit Funktion benannt wurden. Es macht in der Geschichte durchaus Sinn, aber es war wirklich stellenweise zum Haare raufen! 

Die Ermittler sind keine klassischen Commissarios. Simone Santomauro, der Chef, ist ein „Maresciallo“ (Marschall), seine Untergebenen „Brigadiere“ (Unteroffiziere) der Karabinieri. Das war mir etwas fremd. Auch kam ich der schon im Klappentext erwähnten Legende der Gevatterin Perna und ihrem nimmersatten Sohn Mao nicht auf die Spur, obwohl diese öfter zur Sprache kam. Selbst manche Charaktere bleiben bis zum Schluss im Dunkel.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Nichtsdestotrotz hat mit der Roman sehr gut gefallen. Er war spannend und bei der Beschreibung der Opfer (kleine Mädchen) nicht zu detailliert. Diana Lama hält ein gutes Maß zwischen der Ermittlung und den privaten Szenen, lässt den Täter – anonym – sprechen und den Leser bis zuletzt rätseln. 

Besonders beeindruckt war ich davon, dass die Geschichte die Kraft besitzt, unsere Moral zu hinterfragen. In der Geschichte „verschwinden“ sowohl Zirkusmädchen als auch im späteren Verlauf ein einheimisches Mädchen. 

Haben alle Verbrechen dieselbe Wertigkeit? Dies ist ein ganz großes Thema – nicht unbedingt nur für die Dorfbewohner und involvierten Personen sondern auch für den Leser. Unwillkürlich wird diese Frage in den Raum gestellt und wartet darauf beantwortet zu werden.

DIE TOTEN MÄDCHEN VOM CILENTO sind als Taschenbuch (423 Seiten) bei atb in einer Übersetzung von Esther Jansen und Julia Gehring für 9,99 Euro erschienen.

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