Mittwoch, 20. Juni 2012

DIE LEINENWEIßE BRAUT - Das Leben im Mittelalter spielerisch & spannend verpackt

Krimi-Rezension Jörg Völker


Osnabrück im Jahr 1447. Die für feinstes Leinen berühmte Stadt ist in Schwierigkeiten: In letzter Zeit häufen sich Beschwerden über minderwertiges und falsch gestempeltes Leinen. Die Hanse droht mit Konsequenzen und schickt einen Prüfer - doch kurze Zeit später ist er tot; in seinem Genick stecken die scharfen Metallstifte einer Flachshechel. 
Der Verdacht fällt auf den lebensfrohen Reimer Knuf, der am Mordabend mit dem Opfer gestritten hat. Nur Margit, hübsche Tochter des reichsten Osnabrücker Kaufmanns, glaubt an seine Unschuld. Kann sie Knuf vor dem Galgen retten und den wahren Mörder und Leinenfälscher entlarven? (Verlags-Info)

Carlo Feber entwirft in seinem historischen Krimi ein sehr detailliertes und lebendiges Abbild des Lebens in einer größeren deutschen Stadt im 15. Jahrhundert. Osnabrück ist Bischofsstadt und zugleich Mitglied der Hanse. Seine Wirtschaftskraft gründet sich u.a. auf Herstellung und Handel mit hochwertigem Leinen.

Die Bürger haben sich nur teilweise Stadtrechte gegen hartnäckigen Widerstand von Kaiser ( Heiliges Römisches Reich deutscher Nation) und Bischof (Katholische Kirche) ertrotzt.

Über die Ausübung mancher Rechte brechen immer wieder Streitigkeiten aus, Gerechtigkeit für den Einzelnen ist nur sehr schwer, wenn überhaupt zu erreichen. Reichsacht und regionale Kämpfe beeinträchtigen den Wohlstand der Bürger und ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln, weil sie den Handel der Städte immer wieder lahmlegen oder zumindest stark behindern.

Zur Zeit unserer Geschichte gelangen zahlreiche Nachrichten nach Osnabrück, in denen über mangelnde Qualität von geliefertem Leinen geklagt wird, und zwar trotz vorhandenem Qualitätssiegel!

In der angespannten Situation wird der amtliche Prüfer brutal ermordet aufgefunden. Unter starken Verdacht gerät ausgerechnet sein Stellvertreter und potentieller Nachfolger, der daraufhin eingekerkert wird.

Der Ratsherr Simon Leent wird von den städtischen Gremien beauftragt, den Fall aufzuklären. Hierbei wird er tatkräftig von dem Studenten Ertwin Ertmann unterstützt ( hier handelt es sich um eine historische Person. Ertmann wurde später Bürgermeister seiner Vaterstadt ). Auch seine Ehefrau, eine gestandene Person, gibt dem Ratsherrn öfter dienliche Denkanstöße.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Das Alltagsleben wird detailreich in die spannende Handlung eingeführt, ohne jedoch ermüdend zu wirken. Die auftretenden Personen tun sich in dem Spannungsfeld aus Kirche, Landadel, städtischen Gremien und der Hanse oft schwer, um unklare und strittige Positionen so auszuleuchten, daß sie zu vernünftigen Lösungen gelangen können.

Der Leser, durch die erzeugte Spannung in Atem gehalten, will erfahren, wer hinter der Mordtat und den Schlechtlieferungen steckt.

Carlo Feber vermag es, den Leser gut zu unterhalten und gleichzeitig „spielerisch“ über einen Teil der mittelalterlichen Geschichte zu informieren.

DIE LEINENWEIßE BRAUT ist broschiert (335 Seiten) bei Emons für 11,90 Euro erschienen.

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