Samstag, 16. Juni 2012

BLUTIGE SEILFAHRT IM WARNDT - Eine spannend beklemmende Reise "Unter Tage"

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Vor den Augen einer Besuchergruppe wird ein Mann an der Seilscheibe des Förderturms im Bergwerk Velsen zerquetscht. Ein Unfall? Die Polizei tippt auf Mord. 

Aber an der Sturheit der Bergleute kommt sie nicht vorbei. Kriminaloberkommissar Grewe fährt Undercover ein – früher war er Bergmann. In einem »Alten Mann« – einem stillgelegten Stollen – entdeckt er eine mumifizierte Leiche. Bei einem Unglück elf Jahr zuvor waren zwei Kumpels vermisst geblieben. Wenn die Mumie der eine ist, wo ist dann der zweite? Grewe erweckt schnell das Misstrauen der Kumpels. Er merkt nicht, wie sich das Netz um ihn immer enger spinnt. 

Elke Schwab setzt die Kullmann-Reihe mit einem Bergwerkskrimi fort – passend dazu schließt im Frühjahr 2012 die letzte Saargrube. Aber auch ein Bergwerksmusem kann ein schauriges Vergnügen werden … (Verlags-Info)

Elke Schwab ruht sich nicht auf ihren bisherigen Erfolgen aus, veröffentlicht einen weiteren guten Krimi. Die Autorin hat zunächst sehr gründlich recherchiert. Nun entführt sie den geneigten Leser in eine für den Normalsterblichen völlig fremde Welt, ein Kohlebergwerk im Saarland. Vor Ort gilt es, den spektakulären Mord an einem Bergmann aufzuklären. 

Kriminalhauptkommissar Jürgen Schnur und sein bewährtes Team stehen vor sehr großen Hürden, denn zum einen „mauern“ die Bergleute und die originäre Zuständigkeit des Bergamtes verhindert eine direkte Ermittlung unter Tage. Auch entsprechende Amtshilfeersuchen werden nicht gestellt. 

Da naht „Rettung“ in Gestalt von Kommissar Anton Grewe. Der war nach der Tradition seiner Familie zunächst als Bergmann „eingefahren“, wechselte dann aber in den Polizeidienst. Seine Orts– und Berufskenntnisse kommen den Polizeibeamten jetzt zugute, denn er läßt sich freiwillig „undercover“ in die Zeche „einschleusen“. Vor allem der leitenden Staatsanwältin verursacht der gefährliche Einsatz große Sorgen, denn Grewe muss ohne direkte Verbindung zu seinen Kollegen arbeiten. 

Auch Schnurs Vorgänger, der im Ruhestand lebende Norbert Kullmann, wird in die Ermittlungen eingebunden, da er große Orts– und Sachkenntnis hat und selbst vor Jahren in der Zeche wegen eines Vermißtenfalles tätig war, ohne die Angelegenheit klären zu können. 

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

Die spannende Geschichte fesselt den Leser sehr. 

Die unheimliche Atmosphäre unter Tage ist beklemmend genau geschildert, wie ich aus eigener Anschauung aus Schülerzeiten weiß (Besuch einer Zeche im Ruhrgebiet, Aufzugfahrt mit 16m pro Sekunde bis in 1.000 m Tiefe, enge Stollen, schlechte Luft und viel Lärm). 

Personen und Geschehnisse wirken lebensecht. Die Motive der Handelnden sind nachvollziehbar. 5 Sterne von 5 möglichen sind mehr als verdient!

BLUTIGE SEILFAHRT IM WARNDT  (310 Seiten) ist als Taschenbuch im Conte Verlag für 13,90 Euro erschienen.

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