Mittwoch, 16. Mai 2012

SCHWEIGENDE SÜNDE - Düstere Geschichte mit Längen


Krimi-Rezension von Katja Volland

Bei einem Klassentreffen wird der Lehrer Eric Janson auf der Schultoilette erschlagen. Nach Befragung der zahlreichen Teilnehmer des Treffens, Ex-Schüler wie Lehrer, können sich Kommissar Vegter und seine Kollegen allmählich ein Bild von dem Toten machen: Er war zwar fachlich kompetent, jedoch anmaßend und eitel, stellte Schüler und Kollegen gern bloß. Grund genug, ihn umzubringen? 

Auch Eva Stotijn war bei dem Klassentreffen. Ihr hatte Janson als Schülerin Schreckliches angetan. Als ihr einstiger Mitschüler David, dem Eva auf dem Klassentreffen wiederbegegnet ist, davon Wind bekommt, setzt er sie immer mehr unter Druck und behauptet, er habe gesehen, wie sie Janson erschlug. (Verlags-Info)

Der Kriminalroman „Schweigende Sünde“ von Lieneke Dijkzeul ist der erste Krimi einer niederländischen Autorin, der den Weg in mein Bücherregal gefunden hat und -ohne zu viel vorweg zu nehmen- er hat mich nicht überzeugen können,  in Zukunft nach Krimis dieses Landes in der Buchhandlung zu suchen.

Der eigenwillige Kommissar Paul Vegter scheint durch einen Schicksalsschlag – der immer nur angedeutet wird – leicht depressive Züge zu haben, die durch die Bearbeitung des Mordes am Lehrer Janson scheinbar verstärkt werden.

Eine weitere Hauptfigur – die ehemalige Schülerin Eva – umgibt ebenfalls eine dunkle Aura, auch sie scheint Schlimmes erlebt zu haben. Eine eingeschüchterte junge Frau, zu der die Unterwürfigkeit, die sie in der sich im Laufe des Romans entwickelnden Beziehung zeigt, zu passen scheint. Diese Beziehung entsteht zu David, ein smarter junger Mann, der zudem auch attraktiv ist. Jedenfalls optisch, denn auch betreffend diese Figur wird der Leser schnell mit der unangenehmen Seite konfrontiert und man ahnt früh, dass er irgendwie „Dreck am Stecken“ hat…

Persönliche Meinung: 3*** (von 5 möglichen)

Sämtliche weiteren Charaktere zeigen  „seltsame“ Züge, die mitunter als menschlich zu bezeichnen sind. Dies gilt auch für die Hauptfiguren. Die Geschichte ist schlüssig und das Ende sogar irgendwie überraschend.

Allerdings herrscht von Anfang an eine Stimmung, die es dem Leser schwer macht, sich irgendeiner der Figuren anzunähren oder gar auf sie selbst und ihr Schicksal einzulassen. Durch diesen Umstand habe ich die Lektüre nicht wirklich genießen können. 

Die Atmosphäre war durch und durch dunkel, allerdings auf eine zähe, nahezu langweilige Art. Es gibt viele Geschichten, die von ihrer Düsterkeit leben, die gerade dadurch zu spannenden Geschichten werden, dass man mit dem wahren Leben, den allzu menschlichen Problemen und Ängsten konfrontiert wird. "Schweigende Sünde" gehört leider nicht dazu.

Ich kann nicht erklären, warum es mir bei dem Krimi von Lieneke Dijkzeul anders ging, ich habe auch an Geschichte und Schreibstil eigentlich gar nicht viel auszusetzen. Gefesselt hat es mich halt einfach nicht, daher nur 3 Sterne.

SCHWEIGENDE SÜNDE ist als Taschenbuch (336Seiten) bei dtv in einer Übersetzung von Christiane Burkhardt für 9,95 Euro erschienen.

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