Samstag, 26. Mai 2012

HAUSGEMEINSCHAFT MIT DEM TOD - Ausgefeilter Schwedenkrimi mit Rezepten

Krimi-Rezension von Biggi Friedrichs

Als die 12-jährige Simone nahe ihrer Wohnsiedlung ermordet aufgefunden wird, haben die Nachbarn schnell einen Schuldigen ausgemacht: den 13-jährigen behinderten Ulv, der mit seiner Mutter ebenfalls in der Plattenbausiedlung lebt und mit der Toten locker befreundet war. 

Ins Visier der Ermittler um Kommissar Lundquist gerät auch Simones Vater, dem nach der Trennung von ihrer Mutter offenbar die väterlichen Verpflichtungen allzu lästig geworden sind. Als eine zweite Mädchenleiche entdeckt wird und kurz darauf auch noch ein drittes Kind verschwindet, regieren im Carré Hysterie und Vorurteile - und plötzlich ist Ulv selbst nicht mehr auffindbar.

Ist er aus Angst vor Entdeckung untergetaucht, wurde er ebenfalls Opfer eines unbekannten Mörders - oder muss Lundquist nun auch noch einen Racheengel unter den Bewohnern des Viertels suchen? Sicher ist nur: Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit ... (Verlags-Info)

"Hausgemeinschaft mit dem Tod" ist ein top Schwedenkrimi aus der Feder der deutschen Franziska Steinhauer, flüssig erzählt, sehr spannend und sozialkritisch. 

Die Autorin konfrontiert uns mit Vorurteilen, mit unseren Ängsten um unsere Kinder und der Frage, wie viel Freiheit kann oder soll man Kindern gewähren? Wer ist für Kinder ein Fremder? Warum sind wir so schnell dabei, wenn es darum geht, einen Sündenbock zu finden?

Das Ermittlerteam um Kommissar Lundquist ist sehr sympathisch. Kommissar Lundquist hat wohl eine psychologische Ausbildung, da wir bei seinen Befragungen einen tiefen Blick in die Seele der Befragten erhalten.

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

In diesem Who-done-it-Krimi stehen die Ermittlungen in den Mordfällen und die Zeugenbefragungen im Vordergrund. In den einzelnen Kapiteln lernt man die mehr oder weniger sympathischen Hausbewohner dieser Plattenbausiedlung näher kennen. Einzelne Kapitel sind aus deren Sicht erzählt, andere aus der Sicht des Vaters von Simone oder des "Onkel Ingeleifs".

Es entsteht der Eindruck, dass viele Bewohner sehr einsam und zurückgezogen in dieser Siedlung leben. Die Mieter im Carré sind kunterbunt, es gibt Familien, Alleinerziehende, den Hausmeister, der unangenehme Dinge für die Mieter regeln soll, den ein oder anderen verschrobenen Mieter, wie z. B. ein Messie, eine alte Dame, die Stimmen hört oder eine Wahrsagerin, die versucht, der Polizei bei den Ermittlungen zu helfen. 

Wir lernen abgebrühte Personen kennen, Bewohner, die bei der Wahl des Sündenbocks sehr schnell sind und einen überforderten Polizisten, der in der Panik der Situation unangemessen reagiert. Franziska Steinhauer gibt einen Einblick in die Psyche des Mörders und man darf bis zum Schluss gespannt sein, wer denn nun der Mörder ist.

Am Ende des Krimis gibt es noch typisch schwedische Rezepte zum Nachkochen.

Ein psychologisch sehr ausgefeilter Schwedenkrimi mit einer sehr interessanten Thematik.

HAUSGEMEINSCHAFT MIT DEM TOD ist broschiert (337 Seiten) im Oktober Verlag für 16,90 Euro erschienen.

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