Samstag, 4. Februar 2012

SCHLIESSE DEINE AUGEN - Am Tag der Hochzeit beginnt das Grauen...


Krimi-Rezension von Dani Nimz

Am Tag der Hochzeit beginnt das Grauen. 
Jillian, die junge Braut eines renommierten Psychiaters, wird auf groteske Weise enthauptet in der Gartenlaube aufgefunden. Der mutmaßliche Täter ist wie vom Erdboden verschluckt, der Fall scheint unlösbar. In ihrer Not beauftragt die Mutter des Opfers Dave Gurney, und wieder geht der pensionierte Top-Ermittler auf Verbrecherjagd. Schnell wird klar, dass Jillian nicht das einzige Opfer war – und dass nicht nur Gurneys eigenes Leben in höchster Gefahr ist. (Verlags-Info)

John Verdons Dave Gurney ist auf eigenen Wunsch mit Ende Vierzig aus dem aktiven Polizeidienst ausgeschieden, um mit seiner Frau Madeleine der New Yorker Hektik zu entfliehen und in die Catskill Mountains in Virginia zu ziehen. Während Madeleine sich dort sehr wohl fühlt, vermisst Dave seine Arbeit und die Stadt und so kann es nicht ausblieben, dass er sehr zum Ärger und Verdruss seiner Frau an dem einen oder andern Fall des NYPD als Berater mitarbeitet. 

Auch in diesem zweiten Fall von David Gurney spielt das häusliche Szenario eine Rolle. Der Leser bekommt einen guten Eindruck von den Unstimmigkeiten, die dadurch entstehen, dass die beiden offenbar recht unterschiedliche Vorstellungen vom Leben auf dem Lande haben.

Wie auch im ersten Buch schon, wirkt das Ganze ein wenig konstruiert, denn welcher hochdekorierte Super-1A-Wunderdetective lässt schon von heut auf morgen alles liegen, um sich auf dem Lande mit der Frage zu beschäftigen, ob man das Spargelkraut vor dem Winter noch einmal düngt oder gleich abschneidet. 

Der Fall selbst lässt sich wieder mysteriös an. Die Mutter einer auf ihrer Hochzeit enthaupteten Braut klopft bei Dave an und bittet ihn, als Privatermittler für sie tätig zu werden, das das NYPD seit vier Monaten keinen Schritt weiterkommt. Bald verfolgt Dave in Zusammenarbeit mit einem ehemaligen Kollegen Spuren, die die New Yorker Kollegen offenbar nicht weiterverfolgen wollten, da sie sich durch die verschiedensten innerbetrieblichen Querelen und Rangeleien selbst im Weg stehen.

Was auf den ersten Blick dann einfach zu bewältigen scheint, entwickelt sich unter Zuhilfenahme von sardischen Gangsterfamilien und abstrusen Geschäften im Bereich des Menschenhandels zu einer wahrhaft monströsen Geschichte. Der Autor hat sich hier der Thematik „Missbrauchsopfer werden zu Tätern“ angenommen und daraus eine Story geschaffen, die wenn auch nicht glaubwürdig, so doch sehr spannend ist.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Was den Spannungsbogen angeht, so hat Verdon es auch dieses Mal wieder geschafft, sein Buch langsam und doch nicht langweilig beginnen zu lassen und das Tempo kontinuierlich zu steigern.

Die relativ kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man sich dem "Nur-noch-ein-Kapitel-Effekt" ausgeliefert sieht. Ich konnte es kaum weglegen.

Ab etwa Mitte des Buches beginnt die Geschichte als solches etwas bizarr zu werden, aber das hat mich jetzt nicht davon abgehalten, dem Thriller, auch wenn er teilweise reichlich überkonstruiert wirkt alle "Sterne" zu geben, denn ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Der Krimi war stimmungsvoll, spannend, bizarr – ich warte auf Gurney No. 3. 

Eine kleine Anmerkung habe ich jedoch noch zum Stil der Übersetzung von Friedrich Mader. Ich habe den ersten Vernon auf englisch gelesen und den zweiten auf deutsch. Zu keiner Zeit fand ich den englischen Vorgänger umgangssprachlich. Im Gegenteil. Ich fand, dass gerade auf den Sprach-Stil enorm viel Wert gelegt wurde. In der deutschen Version des zweiten Buches nun lese ich Worte wie „verschüttgegangen“.  Auch wenn Krimis und Thriller keine "Bildungs-Literatur" sind, eine gewisse sprachliche Sorgfalt setze ich dennoch voraus.

SCHLIEßE DEINE AUGEN ist als Taschenbuch (656 Seiten) bei Heyne für 9,99 Euro erschienen.

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