Dienstag, 24. Januar 2012

RACHLUST - Vom Schicksal geschändeter Seelen...

Krimi-Rezension von Apicula

Zwei nahezu gleichzeitige Bombenanschläge im Herzen von Århus geben Rätsel auf. Nur knapp entgehen Dicte Svendsen und ihre beste Freundin dem Attentat. War es wirklich gegen die umstrittene Bürgermeisterkandidatin der Stadt gerichtet? Erneut sieht sich die Journalistin in einen Mordfall verwickelt, der schon bald machtvolle Interessen offenlegt. Noch dazu führen die ersten Ermittlungen zu Svendsens erst kürzlich aus der Haft entlassenen Sohn und in eine Vergangenheit, mit der sie eigentlich gehofft hatte, abgeschlossen zu haben. (Verlags-Info)

Elsebeth Egholm ist in Dänemark längst ein Garant für Krimi-Spannung. Der Kriminalroman RACHLUST ist bereits der sechste ins Deutsche übersetzte mit der Journalistin Dicte Svendson, als Ermittlerin. Auch in RACHLUST wird die Journalistin mit einem Mordfall konfrontiert und kämpft auch auf privater Ebene mit größeren und kleineren Problemen mit ihrem Partner, Bo, ihrer Teenager-Tochter, sowie einem erwachsenen Sohn, den sie nicht einmal richtig kennt.

Dicte Svendson und ihre Freundin Ida Marie befinden sich in einem Café, als in der Nähe ein Solarium in die Luft fliegt. Zeitgleich explodiert auch das Auto der Bürgermeisterkandidatin von Aarhus. Und das alles an einem 11. September. Klar, dass man da einen Zusammenhang vermutet. Klar, dass es einen Zusammenhang zwischen den Bombenanschlägen geben muss! Aber welchen? Es gibt nur ein Opfer des Anschlags und wie die Polizei bald feststellt, ist auch das vielleicht nur eine Finte.

Es dauert eine schöne – lesenswerte und unbedingt spannende - Weile, ehe die eigenwillige und nicht locker lassende Dicte Svendson einen Zusammenhang herstellt. 

Ihr Gespür, an der richtigen Stelle mit Recherchen (= Ermittlungen) anzufangen ist bemerkenswert. Was man von der Polizei, zu der Dicte auch einen besonderen Kontakt hat, nicht unbedingt behaupten kann. 

Kommissar John Wagner, der Mann von Ida Marie, hat in seinem Team genug Probleme. Eines davon ist Lena Lund, eine neue Kollegin, die er „von oben“ ins Team gesetzt bekommt. Eine junge dynamische, zielstrebige Ermittlerin, die sich sehr eigenartig verhält und die sogar überzeugt ist, dass Dicte Svendson irgendetwas mit dem Fall zu tun hat.

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Nicht nur starke, eigenwillige und mutige Frauen spielen in Elsebeth Egholms Kriminalroman Hauptrollen, insbesondere ein geheimnisvoller menschenscheuer Fremder, der eine zurückhaltende Schüchternheit, gepaart mit gewaltiger Verunsicherung ausstrahlt, trägt zur Spannung bei. Ein gelungener, tief tragischer Charakter, der mir in dem Stück freilich am meisten imponiert hat.

Als Leser wird man in diesem Fall lange im Dunkeln gelassen, was das Motiv für die Anschläge betrifft. Je tiefer man in die Geschichte einsteigt, je mehr führt Vergangenes und längst Verdrängtes zu Angst und Schrecken bei den Beteiligten.

Es baut sich zunehmend eine Atmosphäre auf, bei der die bittere Enttäuschung auf die eine oder andere Weise der Protagonisten spürbar dargestellt wird. Was da alles bis zum Ende des Romans ans Tageslicht kommt, dreht einem schier den Magen um. Nicht weil es etwa grausig blutrünstig zugeht, sondern weil man die teils psychisch gestörten oder schwerkranken Protagonisten langsam aber sicher ins Herz schließt – doch dann kommen Wahrheiten ans Licht und es fühlt sich an wie ein Stich mit dem Messer ins Herz. Schlimmer! Das Messer wird dabei noch genüsslich herumgedreht.

Ein empfehlenswerter Krimischmöker, der weniger mit politischen Motiven zu tun hat, als man annehmen könnte, sondern mehr mit dem Schicksal geschändeter Seelen.

Mich hat der Kriminalroman insbesondere gegen Ende schwer mitgenommen.

RACHLUST ist bei atb als Taschenbuch (439 Seiten) in einer Übersetzung von Kerstin Schöps für 9,99 Euro erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.