Dienstag, 27. Dezember 2011

WINTERMOOR - Winterlicher Nord-England-Roman


Krimi-Rezension von Dani Nimz


Das Moor vergisst nicht. Ein Jahr ist es her, dass Grace mit ihrer kleinen Tochter das einsame North Yorkshire fluchtartig verließ. Ein Jahr, seit ihr Mann spurlos im Moor verschwand. Seitdem sucht Grace nach Antworten. 

Doch als sie jetzt ins Moor zurückkehrt, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Welches Geheimnis verbergen ihre Nachbarn? Wem kann sie trauen? Und was bedeuten die merkwürdigen Träume? Während Schneestürme das Dorf von der Außenwelt abschneiden, wird Grace klar: Jemand versucht mit allen Mitteln, die Wahrheit vor ihr zu verbergen. Wie weit wird er gehen?(Verlags-Info) 


Sara Foster, in England aufgewachsen, hat mit WINTERMOOR einen sehr harmonischen Roman geschrieben. Die Geschichte ist kurz und knapp erzählt. Ein Mann verschwindet spurlos, die Ehefrau kommt nach einem Jahr zurück an den Ort des Geschehens und am Ende wird der Verbleib des Ehemannes aufgeklärt. Damit ist sicher nicht zuviel verraten. 

Was uns hier als Kriminalroman verkauft wird, ist meinem Empfinden nach eher ein schöner England-Roman mit am Rande abgehandeltem Kriminalfall als Aufhänger. Wir erleben eindrucksvoll, wie das zunächst verwirrende Geflecht aus Personen, weit zurückliegenden Ereignissen und Beziehungen bereits Verstorbener am Ende zu einer interessanten Konstellation aufgelöst wird. 

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Die Personen und Ereignisse der Vergangenheit waren klar umrissen und glaubwürdig, die Landschaftsbeschreibungen sehr stimmungsvoll. Das Moor gab etwas Unheimliches her, der Schnee die nötige Action zum Ende hin, die Geistergeschichten sorgten zwischendurch immer mal wieder für den nötigen Schauder. Alles in allem eine gelungene Komposition. Besonders angenehm fand ich, dass dieses Buch ohne Blut auskommt, ohne grausam zugerichtete Leichen, ohne ausführliche Gewaltorgien – eine Wohltat! 

Weniger gut gefallen hat mir, dass die entscheidenden Momente, die den Fall – den der Leser zwischenzeitlich schon fast wieder vergessen hatte – weiterbringen, von der Hauptprotagonistin quasi im Alleingang erlebt wurden. Sie denkt scharf nach, springt auf, hat die nächste Schlussfolgerung parat, die dem Leser dann erst im Nachhinein erklärt wird. Leider ohne, dass man selber irgend etwas nachvollziehen oder selbst darauf kommen könnte, quasi aus dem Nichts herbeigerufen. Das ist sehr schade, aber wie schon gesagt, der Kriminalfall spielt in diesem Roman nicht die Hauptrolle. 

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)
-als Roman, nicht als Krimi bewertet- 

Alles in allem aber habe ich eine schöne Geschichte aus dem winterlichen Nordengland gelesen – ein bisschen gruselig, ein bisschen kriminell, ein bisschen zwischenmenschlich, ein bisschen dramatisch und leider ein bisschen schnell beendet. Ich hätte gern noch weitergelesen. 

Wer allerdings wie im reichlich dramatisch gestalteten Klappentext angedeutet auf Traumdeutungen und Geistererscheinungen und den Übergrusel wartet, wird enttäuscht werden. Diesen Strang gibt es im Grunde nicht. Vielleicht war er früher einmal vorhanden, es finden sich Fragmente, die sich in der Richtung durchaus vielversprechend lasen, aber das ist möglicherweise später gestrichen worden. 

Auch hatte ich das Gefühl, das Kind sei erst in einer späteren Fassung hineingebastelt worden, denn so richtig mit der Geschichte verschmolzen war es nicht, ich habe die ganze Zeit nach dem Sinn und Zweck der einzelnen Episoden gesucht, für „Mutter-mit-Kind“ war es mir zu uneben, für eine eigene Rolle in der Geschichte insgesamt zu blass. 

Kaufempfehlung für all diejenigen, die einen gemütlichen unblutigen (Krimi-)Leseabend am Kamin verbringen wollen. 

WINTERMOOR ist als Taschenbuch (352 Seiten) bei rororo in einer Übersetzung von Judith Schwaab für 8,99 Euro erschienen.

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