Donnerstag, 8. Dezember 2011

PAGANINIS FLUCH - Klassische Musik, Friedensbewegung & Waffenlieferungen

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert und es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt ...

Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt und Albträume wahr werden lässt. (Verlags-Info)

Schon der Klappentext ist ein Geniestreich. Wer wollte nicht wissen, was sich hinter den geheimnisvollen Toten verbirgt? Doch was sich auf den ersten Blick als skurriles Rätsel ausgibt, entpuppt sich sehr schnell als sehr viel tiefgründiger als man ahnt. Die Toten werden recht schnell als die Schwester einer schwedischen Friedensaktivistin und der Generaldirektor der schwedischen Waffenkontrollbehörde identifiziert, der Verdacht auf unsaubere Waffengeschäfte steht im Raum.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen) 

Die Figuren dieses Thrillers von Lars Kepler sind glaubhaft ausgearbeitet, die Story entwickelt sich schnell und ohne viele Umwege. Zwischendurch gibt es trotzdem immer mal wieder Szenen, die mit der Geschichte zwar nichts zu tun haben und auch die Spannung nicht unbedingt erhöhen, die aber offenbar erzählt werden wollten. Nun ja.

Von Inspektor Joona Linna erfahren wir weitere Bruchstücke aus seiner Vergangenheit und auch aus seinem Privatleben, das sonst bisher keine besondere Rolle gespielt hat. Dies könnte sich aber im nächsten Band durchaus ändern, wie das Ende dieses Romans andeutet.

Joona Linna, Schwede finnischer Abstammung, gibt sich wie immer sehr wortkarg, ein nicht unsympathischer Einzelgänger mit messerscharfem Verstand. Manche Schlussfolgerungen erscheinen ein bisschen zu sehr an den Haaren herbeigezogen, aber das tut der Spannung keinen Abbruch.

In "Paganinis Fluch" wird entführt, gejagt, erpresst, gebombt, geschossen und immer wieder lässt uns die Hauptfigur Penelope teilhaben an ihren Erinnerungsfetzen aus ihrer Zeit in Darfur, so dass das eigentliche Thema dieser Geschichte und der Grund der Ereignisse nicht aus dem Blick gerät. Was mit "Paganinis Fluch" gemeint ist, klärt sich erst ganz am Ende auf, vorher man wird geschickt auf verschiedene Fährten gelockt.

Klassische Musik, Instrumentenbau, Friedensbewegung, Waffenlieferungen – so unterschiedlich diese vielen Themen anmuten, umso erstaunlicher ist es, dass all dies geschickt zu einem ungewöhnliche Kriminalroman verarbeitet wurde, der für mich aus der Masse heraussticht, weil er einen moralischen Anspruch erhebt und unbequeme Fragen stellt, ohne langatmig und belehrend zu werden.

PAGANINIS FLUCH ist bei Bastei Lübbe gebunden (624 Seiten ) in einer Übersetzung von Paul Berf für 19,99 Euro erschienen.

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